Keine Übergabe des Geländes an DFB

Streit um Rennbahn eskaliert: Untreue-Vorwurf an Stadt

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Im Streit um die Zukunft der Rennbahn und das Projekt eines Trainingszentrums des Deutschen Fußball-Bunds scheint es keinen Ausweg zu geben. Jetzt erneuerte der Renn-Klub seine Weigerung, das Areal in Niederrad zu verlassen.

Frankfurt - Pferde oder Fußball – David gegen Goliath. Der Fußballbund will auf der Rennbahn bauen, dagegen wehren sich die Pferdesportfreunde – trotz verlorenen Bürgerentscheids und trotz drohender Räumung. Der Mini-Verein kämpft gegen Frankfurt und den Fußball.

Beide Seiten stehen sich nach wie vor unversöhnlich gegenüber. Der Frankfurter Renn-Klub will seine Galopprennbahn im Süden der Stadt nicht hergeben, obwohl er den Bürgerentscheid zur Zukunft des Geländes im Sommer verloren hat und mit einer Räumungsklage rechnen muss. Die Stadt Frankfurt beharrt auf ihrer Entscheidung, das Gelände bald dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu übergeben. Der will dort ein über 100 Millionen Euro teures Leistungszentrum bauen. Die Räumungsklage werde in den nächsten Tagen eingereicht, sagte gestern Wulfila Walter, Büroleiter von Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne).

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Der Renn-Klub werde sich der Räumung des Galopprennbahn-Geländes durch alle Instanzen widersetzen, kündigte Klub-Schatzmeister Carl-Philip Graf zu Solms an. „Eines steht fest – am 1.1. wird es hier keine Übergabe geben. Wir werden weitermachen wie bisher.“ Der Verein verweist auf erfolgreiche Renntage in diesem Jahr mit bis zu 18.000 Besuchern, für das kommende Jahr seien fünf Renntage angemeldet. Rückendeckung für juristische Verfahren habe der Klub-Vorstand auf einer Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche erhalten, an der 40 der 70 Mitglieder teilgenommen hätten. Noch sei eine gemeinsame Lösung mit Rennbahn und Fußball möglich, aber es habe nach dem Bürgerentscheid wegen der „arroganten Haltung der Stadtverantwortlichen“ keine Gespräche gegeben.

Das Grundstück sei an den DFB „für Kleingeld verschenkt“ worden, meinte Solms. Deshalb erhebt er den strafrechtlichen Vorwurf der Untreue gegen die Stadt. Die Vergabe der Fläche in einem Landschaftsschutzgebiet sei außerdem völlig undurchsichtig gelaufen. Gerichtlich will der Klub feststellen lassen, dass der Vertrag mit der Stadt nicht kündbar ist. Einen Mietvertrag hat der Klub mit der Stadt allerdings nicht, sondern einen sogenannten Geschäftsbesorgungsvertrag mit der inzwischen städtischen Hippodrom GmbH über die Veranstaltung von mindestens fünf Renntagen pro Jahr. Dieser Vertrag sei nicht kündbar, sagte Solms.

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Falsch, sagt Cunitz-Büroleiter Walter. Der Vertrag sei ordnungsgemäß zum 30. Juni gekündigt worden. Er wies auch den Vorwurf der Untreue und des angeblich undurchsichtigen Vergabeverfahrens zurück. Den Beschluss über die Vergabe des Grundstücks habe die Stadtverordnetenversammlung in öffentlicher Sitzung getroffen. Das Areal wurde dem DFB in Erbbaurecht für 6,8 Millionen Euro übergeben.

Dem DFB wirft der Renn-Klub vor, gegen seine eigene Satzung zu verstoßen und mit dem Zentrum wirtschaftliche Zwecke zu verfolgen. DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel hatte das Projekt im September als „Investition in die Zukunft des deutschen Fußballs“ bezeichnet. Die Akademie soll die Verwaltung des Verbandes, ein Trainingszentrum für alle Nationalteams sowie die Ausbildung der Trainer und Schiedsrichter an einem Ort zusammenfassen. Der Bau auf dem Gelände der Frankfurter Rennbahn soll Anfang 2017 begonnen werden und Ende 2018 fertig sein.

dpa

Quelle: op-online.de

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