Streitthema „Fracking“

Experte gegen Pauschalverbot

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Das Bohrfeld von ExxonMobil in Bötersen bei Rotenburg-Wümme in Niedersachsen. Bei der Suche nach Erdgas setzt das Unternehmen hier die umstrittene Frackingmethode ein. In Hessen gilt derzeit ein Moratorium für diese Gasgewinnungstechnik.

Darmstadt - Der Geologe Ingo Sass rät angesichts der Debatte über die umstrittene Schiefergasförderung (Fracking) zu mehr Gelassenheit.

„Wir dürfen nicht von vornherein ausschließen, neue Technologien zu nutzen“, sagte der Professor der Technischen Universität (TU) Darmstadt. Die Fördermethode, bei der Gestein mit hohem Druck unter Einsatz von Wasser, Sand und Chemikalien so aufgebrochen wird, dass Gas entweichen kann, lehnen Umweltschützer ab. Sie befürchten, dass das Grundwasser verunreinigt werden kann. Der Experte plädiert für eine ergebnisoffene Diskussion. Es dürfe keine pauschalen Verbote geben, die Fracking prinzipiell ausschließen. Bei jedem Erdgasvorkommen müsse sachlich entschieden werden, ob sich der Abbau im Hinblick auf die Größe des Vorkommens und die Kosten lohnt. „Natürlich muss geprüft werden, ob der Abbau zu Umweltschäden führen kann“, betonte Sass. Es sei aber hochproblematisch für die Energiesicherheit, auf heimische Gasvorkommen nur wegen Vorbehalten gegenüber Fracking zu verzichten und allein auf Wind und Sonne zu setzen.

In Nordhessen wird Fracking auf absehbare Zeit nicht zum Einsatz kommen. Das Regierungspräsidium Darmstadt hatte der kanadischen Erdgasfirma BNK keine Erlaubnis erteilt. Dagegen reichte das Unternehmen Klage ein. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte sich angesichts von Bedenken für ein verbindliches Moratorium ausgesprochen. In Rheinland-Pfalz gibt es möglicherweise Schiefergasvorkommen in den Tonschieferschichten im Nordpfälzer Bergland. „Die Frage ist, ob die Vorkommen, die in 2000 bis 3500 Metern Tiefe liegen können, abbauwürdig sind“, sagte Sass. 

dpa

Quelle: op-online.de

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