Bildungsstreik online

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Im „Karo 5“ haben die Studenten ihr Streikzentrum aufgeschlagen. Von hier aus planen sie die nächsten Protestaktionen.

Darmstadt - Bei der Planung von Streikaktionen setzten Studenten an deutschen Hochschulen auf Internetseiten, Blogs und Mailinglisten. Eine der wichtigen Internet-Plattformen zum Bildungsstreik wird dabei von Darmstadt aus betrieben. Von Paavo Ondreka

„Ein auffällig gekleideter Mensch rennt zur besten Mensa-Zeit mit einem größeren Bündel gelber Luftballons, auf denen ‚1 Creditpoint‘ steht, durch die Menge – und eine Gruppe Studierender hinterher. Diese rufen dabei laut: ‚Ich will meine Credits.‘“ So lautet nur eine von vielen Aktionsideen auf der Internetseite der Studenten, mit der sie gegen die verschulten Bachelor- und Masterstudiengänge protestieren.

Diskussion in der Darmstädter TU in Bildern:

Studentenprotest an TU Darmstadt geht weiter

Das Internet-Portal versteht sich als eine bundesweite Informationsplattform in Sachen Bildungsproteste. Betreiber ist der Verein „Uebergebuehr“ mit Sitz in Darmstadt. Bereits 2003 hatten Darmstädter Studenten den Verein anlässlich der Einführung von Studiengebühren in Hessen gegründet. Auf der seit Mai dieses Jahres freigeschalteten Internetseite können Aktionsgruppen streikrelevante Inhalte einstellen. So finden sich auf der Startseite beispielsweise Pressemitteilungen über die neuesten Hörsaal-Besetzungen.

Über das Portal gelangt man aber auch zu den lokalen Bildungsstreik-Seiten in ganz Deutschland. Rund 80 Hochschulstandorte sind bereits verlinkt, weitere kommen hinzu. „Es gründen sich immer noch neue Aktionsgruppen“, sagt Andreas Schaeffer, Vorstandsmitglied bei „Uebergebuehr“.

„Wer sich nicht präsentiert, wird nicht wahrgenommen.“

Die Realisierung der Homepage ist auch ein Beispiel für die Vernetzung der protestierenden Studenten. Der Server, von dem aus die Seiten-Besucher die Datenpakete abrufen, steht in Darmstadt. Redaktionell betreut wird die Seite von verschiedenen Aktionsgruppen im Bundesgebiet, presserechtlich verantwortlich ist wiederum der Allgemeine Studierendenausschuss in Frankfurt.

Mehr als zwei Stunden investiert Andreas Schaeffer täglich in die technische Pflege der bundesweiten Internetseite zum Bildungsstreik – neben seinem Informatik-Studium. Bei den vergangenen Bildungsprotesten der Jahre 1997 und 2003 hatte das Internet noch den „Exoten-Bonus“, sagt Schaeffer. „Heute ist das Internet Alltag. Wer sich im Alltag nicht präsentiert, der wird nicht wahrgenommen.

Quelle: op-online.de

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