Linken-Studie zur Nachtruhe: Fraport wehrt sich

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Frankfurt - Am Frankfurter Flughafen wäre eine achtstündige Nachtruhe möglich - besagt eine von der hessischen Linken-Landtagsfraktion vorgestellte Studie.

Der Chemnitzer Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Thießen und der Offenbacher Flughafenexperte Dieter Faulenbach da Costa, der im Herbst für die Linkspartei in den Landtag einziehen will, erklären in der Studie, dass der Airport seine Kapazitäten tagsüber nicht ausschöpfe - wegen der sogenannten Slot-Verknappung. Der Flughafenbetreiber Fraport und die Lufthansa hätten ein besonderes Interesse an der Verknappung der Zeitfenster, während dessen eine Fluggesellschaft einen Airport zum Starten oder Landen benutzen darf, da dies Wettbewerber in die Randzeiten dränge.

Die Autoren haben nach eigenen Angaben 90.000 Flugdaten aus den Jahren 2010 und 2013 analysiert - also vor und nach Eröffnung der neuen Landebahn im Oktober 2011. Am Flughafen gilt ein Nachtflugverbot von 23 Uhr bis 5 Uhr. Die Linken-Fraktion fordert wie viele Bürgerinitiativen auch eine Erweiterung auf 22 bis 6 Uhr.

Studie nicht nachvollziehbar

Ein Fraport-Sprecher bezeichnete die Studie als nicht nachvollziehbar. „Die Nachtrandstunden sind für den Flughafen, die Fluggesellschaften und insbesondere die Wirtschaft von höchster Bedeutung, was durch die richterliche Entscheidung in Leipzig klar bestätigt wurde“, sagte er mit Blick auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts 2012. Ohne diese Kapazitäten könnten die „notwendigen“ interkontinentalen Verbindungen nicht aufrechterhalten werden.

Experte aus Offenbach: Dieter Faulenbach da Costa.

Der Studie zufolge sind Verspätungen, die Ausnahmegenehmigungen vom Nachtflugverbot nach sich ziehen, nicht in erster Linie auf Ereignisse zurückzuführen, die außerhalb des Verantwortungsbereiches der Airlines liegen, wie etwa Unwetter. „Untersuchungen in anderen Ländern haben gezeigt, dass 75 Prozent der Verspätungen durch die Airlines verursacht werden. Dennoch drängen Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber auf großzügige Regelungen mit der Begründung, dass Ursachen von Verspätungen größtenteils unvorhersehbar seien und nicht in ihrer Hand lägen“, heißt es in der Untersuchung. „Ausnahmegenehmigungen unterstützen Geschäftsstrategien, welche Verspätungen bewusst einkalkulieren“, so Thießen.

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Die Fraport erwiderte, ein Wegfall der morgendlichen und abendlichen Kapazitäten würde Frankfurt vom wichtigen Interkontinental-Verkehr abschneiden. Ohne diese Verbindungen würden zudem viele weitere Flüge für Umsteigepassagiere gestrichen. Folge: Das Drehkreuz Frankfurt würde „massiv an Bedeutung verlieren“, erklärte der Fraport-Sprecher. Seine Warnung: Weitere Auflagen würden sich nicht nur „unmittelbar auf die Arbeitsplätze am Flughafen auswirken, sondern die Infrastruktur und den damit verbundenen wirtschaftlichen Wohlstand der gesamten Region schwächen“.

dpa/ad

Quelle: op-online.de

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