Protest gegen Fluglärm

Keine Aussicht auf Erfolg

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Berlin/Frankfurt - Einer Studie zufolge gibt es keine Aussicht auf Erfolg mehr für den Protest gegen den Fluglärm. Zu festgefahren sei der.

Eineinhalb Jahre nach der ersten Montagsdemonstration ist der Protest gegen den Lärm am Frankfurter Flughafen nach einer Studie zu festgefahren, um noch Erfolg zu haben. "Im Frankfurter Fall erschwert das Paket von Maximalforderungen, insbesondere bezüglich der neuen Landebahn, die Aussicht auf einen vollständigen Erfolg des Protestes", heißt es in einer Studie der Stiftung Marktwirtschaft, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Montagsdemo gegen Fluglärm

Die Studie basiert auf Aussagen von Lärmgegnern während der Montagsdemonstrationen im Frankfurter Terminal. Die Stiftung wird von Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Unternehmen finanziert.

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Nach Ansicht der Gießener Wissenschaftler Eike-Christian Hornig und Jan-Bernd Baumann repräsentieren Protestler wie in Frankfurt oder auch bei den massiven Demonstrationen gegen das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ keineswegs einen Querschnitt der Gesellschaft. „Das soziodemografische Profil innerhalb der Protestgruppe lautet verkürzt älter, hochgebildet, zeitreich, ressourcenstark mit einer politischen Mitte-Links-Orientierung.“ Die Jüngeren, die Arbeitnehmer, vor allen Dingen die weniger Gebildeten seien zum Beispiel im Terminal kaum vertreten. Der Protest am Frankfurter Flughafen beanspruche für sich aber, für weite Teile der Bevölkerung im Rhein-Main-Gebiet zu stehen.

Ingrid Kopp vom Bündnis der Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau kann das nicht nachvollziehen: "Unsere Demonstrationen sind sehr wohl ein repräsentativer Querschnitt", sagte sie. "Es kommen zunehmend junge Menschen, viele Familien mit Kindern, die Angst haben." Kopp glaubt nach wie vor an den Erfolg der Proteste. "Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich durch die Wirbelschleppen jemand verletzt. Und dann wird der ganze Flughafen infrage gestellt."

Nach Ansicht der Gießener Wissenschaftler herrscht bei den Demonstranten eine "Kultur der Misstrauensgesellschaft", die eine Einigung mit politischen und wirtschaftlichen Interessen erschwere. So hätten fast 90 Prozent der Befragten Zweifel am Argument des Flughafen-Betreibers Fraport, dass der Airport ohne die neue Landebahn seine Bedeutung im internationalen Luftverkehr verlieren werde. Auch rechtliche Einwände würden von Dreivierteln der Befragten nicht akzeptiert.

83 Prozent der Befragten sind zudem der Ansicht, die Parteien verträten die Interessen der Wirtschaft. Auch nach Ansicht von Lärmgegnerin Kopp verstecken sich die Politiker zu stark hinter der Rechtslage. "Wäre der politische Wille da, könnte man die Gesetze auch ändern", sagte sie.

Die Landtagswahl am 22. September werde den Konflikt nicht lösen, meinen 52 Prozent der Lärmgegner laut Studie. "Auch eine Verhandlungslösung zwischen Politik, Wirtschaft und Protestierenden sowie die direkte Einflussnahme der öffentlichen Hand als Besitzerin des Flughafens hält eine Mehrheit für unwahrscheinlich", heißt es in der Studie. Kaum ein Gegner glaube zudem, dass Fraport die Forderungen von sich aus erfüllt.

Fluglärm für Fraport-Chef Schulte

"Die Umfrageergebnisse offenbaren eine bedenkliche Tendenz zur Aberkennung der Legitimation der Institutionen und Akteure des politischen Systems bei den Befragten", heißt es kritisch in der Studie weiter. "Eigene Interessen werden oft absolut gesehen, alles andere bei geringer Kompromissbereitschaft als "Partikularinteressen" abgetan." Angesichts der anhaltenden Proteste bei Großprojekten forderte Professor Hornig, die Bevölkerung bei großen lokalen Investitionen früher an den Tisch zu holen und so spätere Proteste zu umgehen. dpa

Quelle: op-online.de

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