Attraktive Nischen besetzt

Studium an privaten Hochschulen liegt im Trend

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Fast 20.000 Menschen in Hessen studieren an privaten Hochschulen wie der „Frankfurt School of Finance and Management“. Viele tun dies berufsbegleitend.

Frankfurt - Zehn Mal so viele Studenten wie vor 20 Jahren: Rund 20 000 Menschen studieren in Hessen an einer privaten Hochschule. Womit punkten die kostenpflichtigen Anbieter? Und halten sie, was sie versprechen? Von Sandra Trauner

Privathochschule - das klingt nach Elite und Jetset, dabei zielt der Großteil der Angebote auf Weiterbildung für Berufstätige. Der Gründungsboom ist zwar vorbei, aber die Zahl der Studierenden an privaten Hochschulen wird weiter steigen, sagen Experten voraus - auch in Hessen. Denn private Anbieter besetzen Nischen, in denen die staatlichen Hochschulen schwächeln. Fast 20.000 Menschen in Hessen sind laut Statistischem Landesamt in diesem Wintersemester an privaten Hochschulen eingeschrieben. Das sind knapp acht Prozent aller Studierenden im Land. Ein gutes Dutzend Anbieter tummelt sich mittlerweile auf diesem Markt. Die Zahl der Studierenden an privaten Hochschulen hat sich in Hessen binnen zehn Jahren verdoppelt, binnen 20 Jahren sogar verzehnfacht. Auch die Zahl der Studierenden insgesamt ist gewachsen, aber lange nicht so stark.

„Privathochschulen besetzen Nischen, die die staatlichen nicht ausfüllen“, erklärt Prof. Frank Ziegele, Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). „Das können ganz unterschiedliche Nischen sein“: vom wahrgewordenen Humboldt’schen Bildungsideal über ein hoch spezialisiertes Fachstudium bis zum Weiterbildungsangebot.

Ein Grund für den Erfolg: Privathochschulen haben Ziegele zufolge früher den Trend zum „lebenslangen Lernen“ erkannt. Das Gros der Privat-Studenten stecke in Aus-, Fort- und Weiterbildung. Ein Vorteil der kostenpflichtigen Anbieter: Man könne berufsbegleitend, in Teilzeit oder im Fernstudium studieren. Dazu kommen Angebote in Berufsfeldern, die früher Lehrberufe waren, in denen nun aber eine akademische Ausbildung möglich ist - zum Beispiel im Bereich Gesundheit. „Da haben die Privaten sich erfolgreich drauf gestürzt.“

Die Privathochschulen in Hessen auf einen Nenner zu bringen, ist nicht einfach - Konzepte, Angebot, Strukturen und Finanzierung unterscheiden sich stark. Am bekanntesten sind die beiden privaten Universitäten im Land: die traditionsreiche European Business School (EBS) im Rheingau, die zuletzt durch Skandale in die Schlagzeilen geraten war, und die Frankfurt School of Finance and Management.

Die meisten privaten Hochschulen sind - neben kirchlichen Ausbildungsstätten - Fachhochschulen. Platzhirsche sind die Wilhelm Büchner Hochschule in Pfungstadt, die ausschließlich ein Fernstudium anbietet, und die Diploma Hochschule in Nordhessen. Auf den Weiterbildungsmarkt zielt auch die bundesweit aktive FOM mit Sitz in Essen, die in Hessen vier Standorte hat. Bei der Hochschule Fresenius ist es umgekehrt: Hauptsitz Idstein, Standorte in ganz Deutschland.

Der Wirtschaftswissenschaftler Werner Meißner hat den direkten Vergleich zwischen privat und staatlich: Von 1994 bis 2000 war er Präsident der Goethe-Universität Frankfurt, heute leitet er die private accadis Hochschule in Bad Homburg. Was ist der größte Unterschied? „Wir nehmen die Leute mehr an die Hand“, sagt er. Eine private Hochschule sei übersichtlicher, die Gruppen kleiner, das Programm straffer, der Kontakt zu den Dozenten enger.

Der Rundum-Service kostet aber auch: Rund 25.000 Euro für drei Jahre müssten Studierende oder ihre Eltern für das Studium an einer Privathochschule im Durchschnitt hinlegen. Die staatliche Konkurrenz ist kostenlos. Den Begriff „Elite-Uni“ mag der Präsident dennoch nicht hören: „Elitär ist da gar nix“, sagt Meißner, der Sprecher der Landesgruppe Hessen im Verband der Privaten Hochschulen ist: weder die Ausstattung der Privaten Hochschulen noch die Klientel.

„An einer staatlichen Hochschule haben Sie Leute, die eigentlich gar nicht auf eine Uni gehören, und Sie haben künftige Nobelpreisträger. An einer privaten Hochschule haben Sie nicht die ganz großen Geister, aber auch keine Fußkranken. Das Rezept der privaten Hochschulen ist: Wir machen aus schlechten Studenten gute und aus guten Studenten sehr gute - durch bessere Betreuung.“

Die Statistik gibt dem nur bedingt recht: Das Verhältnis von Dozenten und Studierenden sei „nur unwesentlich günstiger“ als an staatlichen, sagt Peter Bonk, Leiter des Sachgebietes Hochschulen beim Statistischen Landesamt. Außerdem seien zwei Drittel des Lehrpersonals nur nebenberuflich dort tätig. Ebenfalls nicht belegt ist das Image, dass man bei den Privaten schneller studiert. Seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge hat sich die durchschnittliche Studiendauer fast vollständig angeglichen. 

dpa

Quelle: op-online.de

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