Hessens Parteien rüsten sich für den Kampf um Volkes Stimmen

Die Stunde der Wahlkampfstrategen

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Für Bouffier-Anhänger mit starkem Magen: Apfelschorle und Popcorn.

Wiesbaden - Eine Dose Apfelschorle mit dem Konterfei von Volker Bouffier? Die Wahlstrategen haben sich vieles ausgedacht, um am 22. September Stimmen zu gewinnen. Hessens Parteien ziehen in eine millionenteure Schlacht. Von Friedemann Kohler

Die hessischen Parteien schneiden ihren Wahlkampf ganz auf die Spitzenkandidaten zu. Die CDU stellte am Dienstag in Wiesbaden die ersten Plakatmotive für den Landeschef und Ministerpräsidenten Volker Bouffier vor: Bouffier mit Ehefrau Ursula, Bouffier in der S-Bahn im Gespräch mit älteren Menschen (Slogan: „Hessen bleibt sicher“), Bouffier mit Kindern und am Kicker eines Jugendclubs („Hessen bleibt locker).

Die Hessen leben nach Umfragen gern in ihrem Bundesland, das Land wird von der CDU erfolgreich regiert - um diese Botschaft gehe es, sagte Generalsekretär Peter Beuth. „Wir haben eine saubere Bilanz abgeliefert.“ Bouffier habe als Regierungschef seit dem Jahr 2010 einen „konsensorientierten Stil“ geprägt, der sich auch in der Kampagne spiegele.

Trotzdem sieht die Hessen-CDU die Doppelwahl am 22. September als Richtungsentscheid und will verdeutlichen, was dem Land bei einem Sieg von SPD, Grünen und Linken droht. „Auf der anderen Seite steht Bevormundung, Abkassieren“, sagte Beuth.

CDU plant etwa 500 Veranstaltungen

Bis zur Bundes- und Landtagswahl am 22. September plane die CDU etwa 500 Veranstaltungen. Die Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel komme siebenmal nach Hessen. Für SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sind bislang fünf Auftritte terminiert.

Die Hessen-SPD setzt bei der ersten Welle ihrer Plakate ebenfalls auf ihren Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel. Auch er wird im Gespräch mit Bürgern dargestellt. Bei der FDP führt Justizminister Jörg-Uwe Hahn die Liste an, doch die Partei wird drei Köpfe plakatieren: Hahn (Slogan: „Vielfalt - Gerechtigkeit - Hahn“), Kultusministerin Nicola Beer („Schule - Bildung - Beer“) und Wirtschaftsminister Florian Rentsch („Wirtschaft - Arbeitsplätze - Rentsch“). Die Grünen haben Plakate für ihre beiden Spitzenkandidaten Angela Dorn und Tarek Al-Wazir. Ab 12. August, sechs Wochen vor der Wahl, soll in großem Stil plakatiert werden, hieß es seitens der Partei.

Die Budgets der Parteizentralen für die Doppelkampagne sind sehr verschieden. Für die SPD hat Generalsekretär Michael Roth eine Summe von zwei Millionen Euro genannt. Die FDP will eine Million Euro investieren, bei den Grünen sind es 550.000 Euro, bei der Linkspartei 400.000 Euro. Beuth wollte für die CDU keine Größenordnung nennen. Die SPD-Zahl sei aber seiner Schätzung nach zu niedrig, sagte er.

Neu ist in diesem Landtagswahlkampf, dass die Frauen der Ministerpräsidentenkandidaten eine Rolle spielen. Annette Gümbel begleitet ihren Mann zu Auftritten und hat sich für eine Broschüre interviewen lassen. Allerdings ist sie nicht mit auf Plakaten zu sehen wie Ursula Bouffier.

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Die CDU werde im Wahlkampf vielfältig im Internet und auf sozialen Netzwerken aktiv sein, kündigte Beuth weiter an. Die Wahlkreisbewerber wollten auch Hausbesuche machen. Dieses Klinkenputzen sieht vor allem die SPD als Erfolgsrezept nach den gewonnenen OB-Wahlen in Frankfurt und Wiesbaden.

Anders als die großen Parteien setzt die hessische Linkspartei bei Plakaten vor allem auf Themen, nicht auf ihre Spitzenkandidatin Janine Wissler. „Wir lehnen uns an den Auftritt der Bundespartei an“, sagt Wahlkampfmanager Jörg Cezanne. Eigene Hessen-Plakate sollen sich mit Leiharbeit, der privatisierten Uniklinik Gießen-Marburg und Fluglärm befassen.

Zu Bouffiers Wahlkampfmaterial für ein junges Publikum gehören auch „Volker’s Aktiv Apfel“, eine Apfelschorle in der Dose, und „Bouffiers Popcorn“ (Slogan: „Immer eine gute Wahl“). Die CDU lasse außerdem einen Anwalt prüfen, ob die Grünen das Parteilogo missbrauchen, sagte Generalsekretär Beuth. Die Grünen-Abgeordneten Kai Klose und Mathias Wagner haben als Parodie eine CDU-Wahlkampagne erdacht unter dem Motto: „Andere haben Konzepte. Wir machen Angst.“

dpa

Quelle: op-online.de

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