Tierquälerei

Suche nach dem „Pferdeschlitzer“

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„Fernandos“ Verletzungen sind verheilt, das Pferd bleibt scheu.

Limburg - Als Anke Sahl an einem Abend in diesem Herbst ihre beiden Pferde auf einer Koppel in Brechen (Kreis Limburg-Weilburg) besuchte, traute sie ihren Augen nicht. Von Sabine Maurer

Das Hinterteil ihres zweijährigen Oldenburger Hengstes Fernando war blutüberströmt, dort klaffte eine tiefe, mehrere Zentimeter lange Wunde. Die Verletzung geht wahrscheinlich auf das Konto eines Tierquälers.

Bei der Polizeidirektion Limburg-Weilburg wurden in diesem Jahr schon sechs solcher Fälle angezeigt. Die Beamten ermitteln wegen Tierquälerei, eine heiße Spur haben sie noch nicht: „Das sind sehr schwierige Ermittlungen“, sagte Polizeisprecher Bruno Reuscher. Spuren gebe es nur wenige, in mindestens zwei Fällen seien die Taten nachts verübt worden.

Noch eine Dunkelziffer

Die Ermittler wollen nicht ausschließen, dass es noch eine Dunkelziffer gibt, denn manche Pferdebesitzer könnten eine entsprechende Wunde für eine ganz normale halten. Oder der Vorfall werde nicht angezeigt, weil der Besitzer sich um den Ruf seines Stalls sorge.

Der Hengst Fernando wurde bereits mehrfach verletzt. Im Juli hatte seine Besitzerin Schnitte an den Vorderbeinen entdeckt - und zunächst gedacht, dass sich das Tier selbst so zugerichtet hätte. Nach dem letzten Angriff musste die Wunde des Vierbeiners in einer Tierklinik genäht werden. Fast vier Wochen wurde das Pferd dort behandelt. Knapp zwei Monate später humpelt Fernando immer noch. Gegenüber fremden Menschen sei er sehr zurückhaltend geworden.

Dass Pferde absichtlich von Menschen verletzt werden, kommt immer wieder vor. Genaue Zahlen dazu hat das hessische Landeskriminalamt in Wiesbaden jedoch nicht. Der Deutsche Tierschutzbund in Bonn erinnert bei dem Thema vor allem an das Jahr 2005: Damals gab es bundesweit mehr als 45 Fälle. „Oft wurden die Tiere auch an den Genitalien verletzt“, berichtete ein Sprecher.

Pferdequälereien rund um Limburg

Pferdezüchterin Anke Sahl und der misshandelte Hengst „Fernando“.

Bei den Pferdequälereien rund um Limburg wurden die Tiere an unterschiedlichen Körperstellen mit scharfen Gegenständen malträtiert. Tierärzte schlossen aus, dass sich die Pferde selbst so zugerichtet haben können. So wurde in Bad Camberg einem Welsh-Pony in seiner Box ein tiefer Schnitt von den empfindlichen Nasenlöchern bis zum Maul beigebracht. Die Polizei vermutet ein Skalpell oder ein Teppichmesser als Tatwerkzeug.

Weiteres Opfer des oder der „Pferdeschlitzer“ war eine trächtige Zuchtstute auf einer Koppel bei Brechen. Sie wurde an den Beinen und im Genitalbereich verletzt. Eine weitere tragende Stute wurde in Hadamar verletzt. Ein Islandpferd in einem offenen Stall im selben Ort erlitt zwei Schnitte an den Hinterbeinen. Auch in Selters trug ein Pferd Verletzungen davon. Solche Fälle hat es in der Region laut Polizei noch nie gegeben.

Der Tierschutzbund rät, die Tiere bei Dunkelheit in den Stall zu bringen. Anke Sahl lässt ihre Pferde nicht mehr Tag und Nacht auf die Weide. Sie stehen nun meistens im Stall und dürfen nur für einige Stunden raus. Eine Dauerlösung soll das aber nicht sein: „Ich weiß noch gar nicht, wie ich das machen soll. Vielleicht mit einer Videoüberwachung.“

Es ist nicht die erste tragische Geschichte um Tierquälerei: Bei einer Kontrolle entdeckte die Polizei vor einigen Tagen insgesamt 16 Ponys in einem VW-Bus und einem Tiertransportanhänger auf der Autobahn 3 in Richtung Würzburg.

dpa

Quelle: op-online.de

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