Jugendliche haben heute andere Süchte

Internet statt Bier

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Auch das Komasaufen ist in den vergangenen zehn Jahren unter Jugendlichen in Frankfurt zurückgegangen.

Frankfurt - Bier und Kippe sind für viele Jugendliche immer noch reizvoll - aber die neuen Suchttrends sind Glücksspiel und Smartphone. Dies hat eine Studie in Frankfurt ergeben. Von Christina Lenz

„Wir waren sehr überrascht, dass 83 Prozent aller Jugendlichen ein Smartphone besitzen“, sagt Bernd Werse, der die Studie Monitoring System Drogentrends (MoSyD) zusammen mit seiner Kollegin Christiane Bernard ausgewertet hat. Seit zehn Jahren befragt das Frankfurter Drogenreferat der Goethe-Uni jeweils 1500 Jugendliche aus Frankfurt zu ihrem Umgang mit legalen und illegalen Drogen.

Die exzessive Internetnutzung gilt zwar offiziell nicht als Sucht, doch mit durchschnittlich 3,5 Stunden online an einem typischen Werktag, verbringen Jugendliche einen Großteil ihrer Freizeit inzwischen im Netz. Besonders beliebt sind Facebook und andere Kommunikationsplattformen. „Internetnutzung ist in vielen Familien inzwischen ein Thema. Ob die exzessive Nutzung eine Sucht ist, darüber lässt sich streiten, doch einen Missbrauch gibt es auf jeden Fall“, meint Renate Krämer vom Drogenreferat.

Eine andere Überraschung der Studie lautet: 10 Prozent aller Befragten spielen mindestens einmal pro Woche Glücksspiele um Geld, dabei 5 Prozent im Internet und vor allem Poker. „Das halten wir für gefährlich, weil junge Menschen oft glauben, dass sie das Spiel kontrollieren können“, so die Leiterin des Drogenreferats, Regina Ernst. Der Trend zum Glücksspiel unterliegt wie das Computerspielen einem klaren Geschlechtsunterschied. Während 20 Prozent der Männer regelmäßig spielen, sind es nur 2 Prozent aller Frauen. Beide Gruppen - FacebookNutzer und Glücksspieler - sind auch ansonsten Drogen zugeneigter. Sie gehen häufiger aus, rauchen und trinken mehr. Ein erfreuliches Ergebnis ist, dass der erste Konsum bei fast allen Drogen heute später erfolgt. Er hat sich verglichen mit dem Jahr 2002 um ein halbes bis ein Jahr nach hinten verschoben. Auch der Anteil der völlig abstinenten Jugendlichen hat zugenommen und beträgt inzwischen 10 Prozent. Ernst zufolge handelt es sich meist um Jugendliche aus muslimischen Elternhäusern.

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Das erhöhte Einstiegsalter dürfe jedoch nicht über die negativen Trends hinwegtäuschen. Der Cannabis-Konsum ist 2012 wieder gestiegen: Mehr Jugendliche, inzwischen 38 Prozent, haben die Droge schon einmal ausprobiert, 7 Prozent konsumieren sie mehrmals die Woche. Dabei besteht erneut ein klarer Geschlechterunterschied. Männliche Jugendliche kiffen viel mehr als ihre weiblichen Altersgenossinnen. Immer mehr Jugendliche haben zudem schon einmal geraucht, inzwischen 44 Prozent. 39 Prozent aller Jugendlichen haben außerdem im letzten Monat eine Shisha-Bar besucht.

Positiv hat sich dagegen der Alkoholkonsum entwickelt: Komasaufen kommt nicht mehr so oft vor. Dafür ist die Anzahl derer, die ab und zu trinken, angestiegen. Der mehrfache Konsum harter Drogen ist ebenfalls zurückgegangen. „Es geht nicht darum, Drogenkonsum ganz aus der Jugendkultur zu verbannen und hart durchzugreifen“, so Krämer. „Ein verantwortungsvoller Umgang ist wichtig, denn Drogen sind oft ein Teil der Realität unter Jugendlichen.“

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dpa

Quelle: op-online.de

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