Südumfliegung des Flughafens

Verfrühter Jubel über Urteil?

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Frankfurt - Lärmgegner jubeln. Schon wieder haben Hessens oberste Verwaltungsrichter den Flughafen-Planern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber ob es mit dem Aus für die Südumfliegung leiser wird, ist noch nicht ausgemacht. Von Sabine Ränsch

Erst kurz geradeaus, dann links, dann rechts und ab nach Norden - diesen Slalom dürfen Piloten am Frankfurter Flughafen nach dem Urteil des höchsten hessischen Verwaltungsgerichts künftig nicht mehr fliegen. Die kurvenreiche Südumfliegung sei rechtswidrig, entschied der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel. Lärmgeplagte Kommunen, die vor Gericht gezogen waren, jubeln. Sie haben den Prozess gegen das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) gewonnen. Um Lärm ging es aber bei dem Urteil gar nicht in erster Linie, sondern um die Kapazität des Flughafens.

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Und vielleicht jubeln die Gewinner zu früh: Es sei nicht ausgeschlossen, dass die betroffenen Gemeinden nun sogar mehr Lärm abbekommen, sagt Thomas Jühe, Vorsitzender der Frankfurter Fluglärmkommission und SPD-Bürgermeister der besonders lärmgeplagten Stadt Raunheim im Westen des Airports. Er kritisiert, dass die höchsten hessischen Verwaltungsrichter ihr Urteil mit Sicherheitsaspekten begründet hätten. „Auch der Lärm hätte geprüft werden müssen“, meint er.

Die Fluglärmkommission, die bei der Festlegung von Flugrouten beratende Funktion hat, habe sieben verschiedene Varianten geprüft, sehr sorgfältig abgewogen und keine bessere Lösung gefunden als die Südumfliegung. „Es ist unter allen Möglichkeiten die beste, auch wenn es keine gute ist“, sagt Jühe. Der direkte Weg startender Maschinen ohne Südkurve jedenfalls brächte dem Westen des Flughafens unzumutbare Belastungen.

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Das meint auch BAF-Direktor Nikolaus Herrmann. Und auch er lässt keinen Zweifel, dass die Lärmbelastung durch eine andere Route nicht geringer werde. Es sei sogar wahrscheinlich, dass eine andere Route Anwohnern mehr Lärm bringen würde, sagt Herrmann. Die Flugsicherung jedenfalls beginne umgehend mit den Arbeiten für Alternativen.

Auch das Gericht hatte schon am Dienstag vor allzu großen Hoffnungen der Lärmgegner gewarnt. Bei dem Verfahren sei es um die Aufgabe gegangen, die Kapazität des Flughafens auf 126 Starts und Landungen pro Stunde zu erhöhen, wie im Planfeststellungsbeschluss vorgegeben. Die Südumfliegung sei dafür ein ungeeignetes Mittel. Lärm müsse nur dann hingenommen werden, wenn die Kapazitätserweiterung erreicht werde, erläuterte eine Sprecherin. Die Flughafenerweiterung mit Ausweitung des Flugbetriebes insgesamt stand jedenfalls diesmal nicht vor Gericht.

Thomas Jühe, Vorsitzender der Fluglärmkommission

Vorerst wird weiter die Südkurve geflogen, vermutlich noch mindestens einige Monate. Alle warten auf die schriftliche Urteilsbegründung, die möglicherweise erst in einigen Wochen vorliegt. Erst dann laufen die Fristen - und wenn die Flugaufsicht wie erwartet Beschwerde gegen den Richterspruch einlegt, die Revision nicht zuzulassen, kann es Monate bis zur nächsten Entscheidung dauern.

Damit sind die Planer nicht unter unmittelbarem Zeitdruck. Das war im Herbst des Jahres 2011 noch anders, als die VGH-Richter - ebenfalls für die Beteiligten überraschend - das Nachtflugverbot verhängten. Innerhalb weniger Tage musste damals der Winterflugplan geändert werden.

Der Flughafenbetreiber Fraport zeigte sich nach dem Urteil äußerlich gelassen: Welche Auswirkungen es habe, sei völlig offen, sagte ein Sprecher. Die Planung der Flugrouten liege in der Hand der Flugsicherung, Fraport sei dabei überhaupt nicht beteiligt. Derzeit gebe es 96 Flugbewegungen pro Stunde. Das ist noch weit entfernt von den geplanten 126 stündlichen Starts und Landungen.

Am Tag nach dem Urteil wurde die Südumfliegung nicht geflogen: Es herrschte Ostwind, und bei dieser Windrichtung starten alle Maschinen von den mittleren Bahnen Richtung Osten. Da ist weder die Startbahn West noch die neue Landebahn im Weg, Ausweichkurven überflüssig.

dpa

Quelle: op-online.de

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