Roman „Montecristo“

Martin Suter liest aus seinem neuen Werk

Frankfurt - Er sieht aus, wie man sich einen smarten Werber so vorstellt: gebräunt, chic gekleidet, perfekt bis auf die Manschettenknöpfe und mit halblangen, leicht gegelten Haaren. Tatsächlich aber hat Martin Suter diese Karriere längst an den Nagel gehängt. Von Maren Cornils 

Wenn der bekannte Schweizer Kolumnist und Autor heute etwas schreibt, dann sind es zumeist belletristische Texte, gern Romane - und nun eben ein Wirtschafts-Thriller.

„Montecristo“ heißt das im Diogenes Verlag erschienene Werk, und um dafür die Werbetrommel zu rühren, machte Suter auf Einladung des Literaturhauses Frankfurt im Schauspiel Station - und offenbarte dabei einiges über sich und sein Verhältnis zu Geld. Dass sich die Mainmetropole anlässlich der EZB-Eröffnung und der erwarteten Proteste parallel zur Lesung auf den Ausnahmezustand vorbereitete - eine mehr als passende Kulisse für Suters Abrechnung mit der Wirtschaftselite.

Suter startet in seiner Lesung dort, wo auch die Story ihren Anfang nimmt: Beim durch einen Personenschaden verursachten Nothalt eines Zuges. Hier lernen Leser und Zuhörer den Videojournalisten Jonas Brand kennen, der zwar für ein Boulevardmagazin arbeitet, tatsächlich aber immer noch vom Durchbruch als Regisseur träumt. In einer späteren Sequenz entdeckt Brand zwei mit der gleichen Codenummer versehene Geldscheine und kommt so peu à peu einem groß angelegten Wirtschaftsbetrug auf die Spur. Am Ende ist der Journalist selbst in Gefahr - es zeigt sich, dass auch er korrumpierbar ist.

Fragerunde mit Sandra Kegel

„Jonas ist zuverlässig. Er liefert gute Arbeit ab. Aber ist kein Star. Das finde ich spannend“, erzählt Suter in der gegen Ende unmotiviert dahinplätschernden Fragerunde mit der Journalistin Sandra Kegel. Letztlich bleibt der Schriftsteller damit einem Thema treu: Männer in der Krise. Die Frage nach dem „Warum“ ist schnell beantwortet: „Bei Krisen geht es schnell an die Identität und damit an die Substanz eines Menschen.“

Immerhin lässt sich der 67-Jährige entlocken, dass er das kommerzielle Texten für die Werbebranche nie mit Widerwillen betrieben hat, obwohl er von Kindesbeinen an eigentlich immer Schriftsteller werden wollte. „Ich habe die Kämpfernaturen und die Kompromisslosen immer bewundert. Aber am Ende habe ich deren Bier bezahlt.“

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Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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