Frankfurt

Symbol der Hoffnung

+
Schau mir in die Augen: Oberbürgermeisterin Petra Roth und Investor Jerry Speyer gestern beim Richtfest für den Opernturm. Links hinten ist die Silhouette des Messeturms zu sehen, den Tishman Speyer vor 20 Jahren hat bauen lassen.

Ein Symbol der Hoffnung in der Wirtschaftskrise: Hauptmieter im Opernturm wird eine Bank. Gestern wurde mit 1 000 geladenen Gästen das Richtfest gefeiert.

Frankfurt - Als der Bau des Opernturms vor 25 Monaten begann, war von Krise nichts zu spüren. Beim gestrigen Richtfest für das 42 Stockwerke zählende Hochhaus neben der Alten Oper an der Bockenheimer Landstraße war sie zentrales Gesprächsthema der 1 000 geladenen Gäste.

Für Bauherr Jerry Speyer, Chef der US-Investorengesellschaft Tishman Speyer, ist der Opernturm ein Symbol der Hoffnung in schwierigen Zeiten. Dass ein Jahr vor Vollendung des Bauwerks bereits zwei Drittel der 67 000 Quadratmeter Bürofläche vermietet sind, wertet er als ermutigendes Zeichen.

Ein Großteil der Mietverträge war allerdings längst unterzeichnet, bevor die Krise Fahrt aufnahm. Vor allem der Vertrag mit der schwer gebeutelten Schweizer Bank UBS, die als Hauptmieter rund 30 000 Quadratmeter mit ihrer Deutschland-Zentrale belegen wird. Jan-Christian Dreesen, Deutschland-Chef der UBS, trat gestern Gerüchten entgegen, die Bank könnte nun einen Rückzieher machen: „Wir freuen uns auf unsere neuen Büros - und wir können sie immer noch bezahlen.“ Heute sei ein Tag der Zuversicht - „jammern werden wir wieder in der nächsten Woche“.

Bauherr Speyer hat vor 20 Jahren bereits den markanten Messeturm errichten lassen, der bis heute als Wahrzeichen Frankfurts gilt. Gestern schwärmte er von einer „schönen und interessanten Stadt, in die viele Investoren wollen.“ Darüber freute sich Oberbürgermeisterin Petra Roth. Während die Gewinne der Banken und damit die Gewerbesteuereinnahmen wegbrechen, erkennt sie „die Skyline als Symbol für die Zukunftsfähigkeit der Stadt.“ Der neue Turm am westlichen Rand des Opernplatzes stehe für eine „dritte Generation von Hochhäusern“, die sich durch umweltschonende und energiesparende Bauweise sowie ein „humanes“ Erscheinungsbild auszeichne - im Gegensatz „zur Kälte des Stahl- und Skelettbaus“.

Der Opernturm ersetzt das vor einigen Jahren abgerissene Zürich-Hochhaus, das deutlich kleiner dimensioniert war und nicht nur Petra Roth als „schönstes Hochhaus der ersten Generation“ galt.

Über den monumentalen Neubau hatte es in der Stadt lange Streit gegeben. Im Gegenzug für die Ausdehnung nach oben gab der Bauherr 5 500 Quadratmeter zuvor versiegelter Grundfläche ab, um die der benachbarte Rothschildpark erweitert wird.

Wenn sich die Frankfurter mit dem neuen Opernturm anfreunden, ist das auch dem Architekten Christoph Mäckler zu verdanken. Der hat in seiner Heimatstadt bereits die Alte Stadtbibliothek wieder errichtet und den „Neuen Portikus" auf der Maininsel neben der Alten Brücke gebaut und veredelte nun den Opernturm mit einer Sandsteinfassade, die das Hochhaus zum würdigen Nachbarn der Alten Oper macht. Der Architekt betonte, der westliche Abschluss werte den Platz auf. Es sei der Verdienst Jerry Speyers, dass dies gelungen sei. Frankfurt sei ansonsten arm an attraktiven Plätzen. „Nur der Römerberg ist schön und gestaltet.“ Und nun geselle sich der Opernplatz hinzu.

Quelle: op-online.de

Kommentare