Hessenmetall kritisiert Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik

Lob und Tadel für Koalitionspläne

Frankfurt - Trotz unbesetzter Lehrstellen ist die Metall- und Elektoindustrie in Hessen optimistisch. Kopfzerbrechen bereiten ihr die Pläne einer möglichen schwarz-roten Koalition. Von Marc Kuhn

Licht und Schatten: Mit Lob und Tadel hat Hessenmetall auf den schwarz-roten Koalitionsvertrag reagiert. Der Arbeitgeberverband begrüßte, dass im Fall einer neuen Wirtschaftskrise das Instrument der erleichterten Kurzarbeit reaktiviert werden soll, wie sein Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender gestern in Frankfurt sagte. „Wir haben aber auch Sorgen.“ Fasbender kritisierte die Pläne zur Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik. Mit ihnen würde die Flexibilität verringert, und die Kosten würden steigen. Die abschlagfreie Rente mit 63 sei „ein völlig falsches Signal“. Fasbender erklärte weiter: „Dass beim Mindestlohn ein Mindestmaß an Respekt vor der Tarifautonomie gewahrt ist, tröstet indes nicht wirklich.“ Die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns werde „sich negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken“.

Würden die Pläne der Koalition umgesetzt, seien rund 120 000 Jobs in allen Branchen in Hessen in Gefahr. Der Arbeitgeberverband mahnte zudem ein besseres Management der Energiewende und eine Reform des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes an. „Wir sehen Wettbewerbsnachteile und ein Abwandern der Produktion“, erklärte Fasbender.

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Aber auch die schwarz-grünen Koalitionsgespräche in Hessen beobachtet sein Verband genau. Hessenmetall sorgt sich um den Ausbau der Infrastruktur. „Wenn man den Flughafen beeinträchtigt, dann schadet das nicht dem Flughafen und der hessischen Wirtschaft, das schadet dem Land“, sagte Fasbender weiter.

Die Unternehmen der hessischen Metall- und Elektroindustrie beschäftigen 211.000 Menschen und bilden mehr als 11.000 junge Leute aus. Pro Jahr werden knapp 5.000 Ausbildungsverträge unterzeichnet. Drei Viertel der Betriebe würde Lehrstellen anbieten, berichtete Fasbender unter Berufung auf eine Umfrage von Hessenmetall. Mittlerweile könnten aber etwa zehn Prozent der Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. „Das ist eine Menge.“ Betroffen sei vor allem der naturwissenschaftlich-technische Bereich. Verantwortlich für diese Entwicklung machte Fasbender „Lücken im Schulunterricht“.

Trotz einer gesenkten Umsatzprognose von rund 55 Milliarden Euro für 2013 ist die Stimmung in Hessens Metall- und Elektroindustrie gut. Die Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage positiver als vor einem Jahr, wie die Herbstumfrage ergab. 39 Prozent halten ihre Lage für „gut bis sehr gut“, sagte Helmut Rau, Geschäftsführer Tarifwesen und Arbeitswissenschaft bei Hessenmetall. 48 Prozent hielten sie für „befriedigend“. Zwölf Prozent beurteilten die Geschäftslage als „schlecht“. Für das Frühjahr 2014 seien die Erwartungen leicht positiv, hieß es. 25 Prozent würden mit „zunehmenden“ Auftragsbeständen rechnen, dagegen nur 17 Prozent mit „abnehmenden“. 58 Prozent gehen von einer „unveränderten“ Auftragslage aus, wie die Umfrage ergab. 29 Prozent der Unternehmen erwarten zudem „eher steigende“ Umsätze, 55 Prozent „eher gleich bleibende“ und lediglich 17 Prozent „eher fallende“ Umsätze.

Quelle: op-online.de

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