Schulpolitik in Hessen

Kommentar: Täglich grüßt das Murmeltier

Unversöhnlich stehen sich die beiden Lager in Hessen in der Schulpolitik gegenüber. Das machte die gestrige Landtagsdebatte noch einmal überaus deutlich. Von Peter Schulte-Holtey

CDU und FDP setzen auf das noch immer irgendwie gegliederte Schulwesen, wobei das Projekt Mittelschule, also der Rettungsversuch für die Hauptschulen, gewisse Lockerungstendenzen zeigt. SPD, Grüne und Linkspartei vereint dagegen das Streben nach einer Schulform, in der möglichst viele Schüler möglichst lange gemeinsam unterrichtet werden. Sicherlich ist die Schulstruktur nicht unbedingt ausschlaggebend für die Leistung der Schüler. Vielmehr kommt es darauf an, jedes einzelne Kind je nach Begabung und Talent bestmöglich zu fördern. Jene Länder, die in den Pisa-Studien ganz vorne liegen, organisieren ihre Bildung ganz unterschiedlich. Allerdings: So früh wie in Deutschland, nämlich nach der vierten Klasse, sortiert kaum ein Land seine Schüler.

Deswegen könnte die Mittelschule beim ersten Blick der richtige Weg sein. Wer sich die Pläne aus Wiesbaden genauer anguckt, merkt aber schnell, wie unüberlegt vorgegangen wird. Es ist offensichtlich, dass wir eine Schule brauchen, die den besonderen Bedürfnissen und Begabungen einer Schülerklientel gerecht wird, die je nach Region 20 bis 30 Prozent ausmacht. Eine solche Schule muss aber optimale Rahmenbedingungen haben: kleine Klassen, wesentlich mehr Lehrer, differenzierte Förderkurse, Praxisbezug in enger Zusammenarbeit mit Betrieben und Ganztagsschulbetrieb. Doch darüber wird bei der Reform leider nur am Rande gesprochen.

Und wie sollen die Berufsschulen ihre neuen Aufgaben beim Mittelschulprojekt stemmen? Dort wächst derzeit die große Unzufriedenheit, die Lücken in der Unterrichtsversorgung nehmen dramatische Ausmaße an. Viele Berufsschulen leiden unter bürokratischen Zwängen, unzulänglichen Räumlichkeiten und enormen Herausforderungen durch die wachsende Gruppe von Schülern mit Migrationshintergrund.

Täglich grüßt das Murmeltier: Was soll man eigentlich noch sagen zum Stellenwert der Bildung in Hessen, wenn den Schulen alle Jahre wieder neue Reformen vorgelegt werden, diese aber stets nur halbherzig und unpräzise angegangen werden.

Quelle: op-online.de

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