Tagen am „Kap Europa“

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Das geplante Kongresszentrum erinnert auch äußerlich an eine Felsspitze im Meer.

Frankfurt (mic/dpa) - Mit dem neuen Kongresszentrum „Kap Europa“ will die Messe Frankfurt ihr Tagungsgeschäft ausweiten. Das Kongresszentrum bietet Raum für kleinere Veranstaltungen.

„Wir schließen damit genau die Lücke zwischen Hotels und dem großen Angebot auf dem Messegelände“, sagte die Leiterin der Messe-Tochter Congress Frankfurt, Claudia Delius-Fisher, gestern in Frankfurt. Das neue Gebäude bietet in 14 Tagungsräumen insgesamt 2400 Menschen Platz und wird zusammen mit dem benachbarten Einkaufszentrum „Skyline Plaza“ im neuen Europaviertel an der Messe gebaut. Eröffnung soll im Sommer 2014 sein.

Im „Skyline Plaza“ sollen etwa 180 Geschäfte und zahlreiche gastronomische Betriebe Platz finden, wie Jens Hintze vom ECE Projektmanagement erklärte. Drei Viertel der Shops seien bereits vermietet. Auf dem öffentlich zugänglichen Dachgarten soll auch ein Restaurant mit Terrasse Platz finden.

Zehn Millionen Euro für das Kongresszentrum

Mit dem Bau des ersten Congress Centers der Messe im Jahre 1997 habe sich die Zahl der großen Kongresse mit mehr als 1000 Teilnehmern in Frankfurt auf 286 (2010) mehr als verdreifacht, sagte Messe-Geschäftsführer Uwe Behm. Auf dem Messegelände gibt es derzeit etwa 80 Kongress- und Tagungsräume mit insgesamt 22.000 Plätzen.

Dem Kauf des Kongresszentrums durch die Messe war ein zwei Jahre dauernder Verhandlungspoker zwischen der Messe und den beiden Investoren CA Immo Deutschland und ECE Projektentwicklung vorausgegangen. Die Messegesellschaft gibt an, insgesamt zehn Millionen Euro für das Kongresszentrum ausgegeben zu haben. Davon fließen vier Millionen in den Kauf des Gebäudes und des Grundstücks. Sechs Millionen wird die Ausstattung kosten. Dies macht, so wurde am Rande der Vorstellung der Pläne bekannt, nur zehn Prozent der tatsächlichen Errichtungskosten aus. Grund hierfür ist die Tatsache, dass der Bau des Kongresszentrums Grundbedingung für die Errichtung des Skyline-Plaza durch CA Immo nebenan ist. Ursprünglich hatte die Stadt Frankfurt auf ein Gebäude mit kultureller Nutzung in Nachbarschaft des Shopping-Centers bestanden. Man einigte sich schließlich auf das Kongresszentrum. Pläne für ein Musical-Theater oder ein Planetarium waren zuvor gescheitert. Ohne Kongresszentrum aber hätte CA Immo keine Baugenehmigung erhalten.

Quersubventionierungen sind an der Tagesordnung

Die Messe, die zu 60 Prozent der Stadt Frankfurt und zu 40 Prozent dem Land Hessen gehört, vermeidet durch den Kauf ferner, dass sich ein privater Konkurrent quasi vor ihrer Haustür etabliert.

Kritiker beklagten bereits eine Wettbewerbsverzerrung zu Ungunsten privater Veranstalter dadurch, dass das neue Kongresszentrum mit öffentlichen Geldern verdeckt bezuschusst werde. In der Branche gilt es als ausgemacht, dass mit derartigen Häusern kaum Geld zu verdienen ist. Quersubventionierungen sind an der Tagesordnung. Von Vorteil sind Kongresszentren allenfalls für die lokale Wirtschaft, zum Beispiel die Gastronomie, weil sie Besucher in die Städte locken. Möglicherweise hat auch die Stadt Frankfurt einen gewissen Druck auf die Messegesellschaft ausgeübt, weil man im Römer an der Entwicklung des Europaviertels sehr interessiert ist. Hier bildet das Einkaufszentrum Skyline Plaza neben den zum Teil schon errichteten Wohn- und Bürokomplexen einen tragenden Pfeiler.

Quelle: op-online.de

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