Museum für Kommunikation

Ausstellung: Bei Tante Emma fing die Überwachung an

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Diese Schaufensterpuppe hat alles unter Kontrolle - mit einer Kamera im Auge.

Frankfurt - Kontrolle und Überwachung haben eine längere Geschichte als man denkt. Das Museum für Kommunikation präsentiert dazu eine Ausstellung. Von Bettina Link

 Die kleinen Kameras, die die Treppe zum oberen Saal des Museums für Kommunikation säumen, verraten schon: Hier wird überwacht. Und genau darum geht es in der neuen Ausstellung „Außer Kontrolle? Leben in einer überwachten Welt“, die ab heute bis Februar zu sehen ist.

Oben angekommen hat der Besucher auch gleich die Wahl: Will er seine Identität schützen, darf er sich eine Papiertüte über den Kopf ziehen. Was eher scherzhaft gedacht ist, weist auf den Kern der Ausstellung hin: Überwachung gibt es überall. Ob zwischenmenschlich, staatlich oder medial, ständig werden wir gefilmt, geben unsere Daten preis, oder werden kontrolliert.

Was aussieht, wie eine Reaktion auf die NSA-Affäre, sei in der Idee schon 2010 entstanden, als die Debatte über Privatsphäre begann, erklärt Museumsdirektor Helmut Gold. „Es ist keine Ausstellung über Snowden“, macht er gleich deutlich.

„Die Ausstellung soll helfen, die Debatte besser zu verstehen“, erklärt Kurator Dr. Philipp Aumann. Kontrolle gebe es nicht erst seit Social Media: „Bereits der Tante Emma-Laden kannte das Konsumverhalten seiner Kunden und hat das Angebot darauf abgestimmt“, erläutert Sammlungsleiter und Projektleiter Frank Gnegel. Entscheidende Zäsur bei der Datensammlung sei der Übergang von analog zu digital.

Durch einen Schilderwald von Verbotsschildern, die den Alltag regeln, führt die Ausstellung durch die verschiedenen Formen der Überwachung: von der zwischenmenschlichen, über die unternehmerische bis hin zur staatlichen Kontrolle wird dem Besucher vor Auge geführt, wie Überwachung funktioniert. Zu sehen sind Überwachungskameras, Wanzen und Geräte zum Abhören. Mit 200 Exponaten wird gezeigt, wie und warum Menschen und Techniken Kontrolle ausüben und wie sich dies auf das Denken und Handeln auswirkt.

Die Ausstellung will auch zeigen, wie ambivalent das Thema Überwachung ist. Gold: „Einerseits verpixelt man sein Haus auf ,Google-Streetview’, andererseits gibt man aber auf Facebook seine Daten frei.“

Wichtig ist den Machern zu zeigen, dass wir zwar ständig überwacht werden, aber auch gleichzeitig immer in der Rolle des Überwachers sind. „Es geht um das Kommunikationsverhältnis zwischen Überwacher und Überwachtem“, erklärt Aumann.

Zur Webseite des Museums

Um das Wechselspiel zu verdeutlichen, sind die jeweiligen Perspektiven durch ein Regal mit weißer und schwarzer Seite getrennt. Auf der weißen Seite kann sich der Besucher ausspähen lassen, auf der schwarzen andere beobachten. Da gibt es etwa eine Schaufensterpuppe, in deren Auge eine Kamera ist und die Passanten filmt. Auf der anderen Seite steht ein Monitor, auf dem zu dem Gefilmten ein mögliches Kundenprofil entworfen wird.

Die Ausstellung wirft die Frage auf, wie viel Kontrolle die Sicherheit braucht, und ab wann der Zugriff auf einen Menschen zum Eingriff in seine Persönlichkeit wird. Die Besucher sind dazu aufgerufen, dies zu reflektieren. In der künstlerischen Installation „Memopol 2“ werden ihnen sogar mittels ihres Personalausweises die persönlichen Daten bis hin zum voraussichtlichen Todesdatum verraten.

Quelle: op-online.de

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