Tänzern droht in Hessen an Ostern ein Bußgeld

Frankfurt - Wer an Ostern in Hessen Tanzen will, riskiert ein Bußgeld. Diskotheken dürfen öffnen, aber niemand darf tanzen. Das umstrittene Verbot wollen viele Städte und Gemeinden streng kontrollieren. Auch das Rhein-Main-Gebiet ist im Visier. Aktuell zum Protest gegen das Tanzverbot 2013 - hier.

Eine Diskothek voller Menschen, aber niemand tanzt. So könnte es über Ostern in Hessen aussehen. Viele Städte und Gemeinden wollen öffentliche Tanzveranstaltungen nicht dulden, denn ein Gesetz aus dem Jahr 1971 verbietet das von Gründonnerstag 4 Uhr bis Ostersamstag 24 Uhr. Ostersonntag und Ostermontag ist tanzen nur zwischen 4 Uhr und 12 Uhr verboten, wie an allen Feiertagen.

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Diskussion über das Tanzverbot an Feiertagen

Politiker verschiedener Parteien hatten das Feiertagsgesetz als „nicht zeitgemäß“ kritisiert. Eine dpa-Umfrage ergab unterschiedliches Vorgehen der Städte. In Fulda erinnerte das Ordnungsamt Club- und Discobetreiber schriftlich an das Tanzverbot. Man werde sich auch vorbehalten, die Einhaltung zu überprüfen, hieß es am Dienstag aus der Fuldaer Verwaltung.

Das Sonderbare: „Discos können öffnen und Musik spielen - es darf aber nicht getanzt werden“, sagte ein Stadtsprecher. „Es gibt ein Tanz-, aber kein Feierverbot.“ Musik dürfe so laut wie immer gespielt werden. In den vergangenen Jahren habe es keine Verstöße gegen die Vorschriften gegeben.

Wer sich unbedingt auf die Tanzfläche begeben will, kann in Wiesbaden auf Nachsicht hoffen. „An Gründonnerstag und Karsamstag lassen wir auch Ausnahmen zu“, sagte ein Sprecher. Dazu muss die Feier aber vorher angemeldet werden. An Karfreitag als einem der höchsten christlichen Feiertage werde es aber keine Ausnahme geben. „Unsere Kontrolleure werden auch Stichproben machen“, kündigte der Sprecher an.

Polizei wird das Verbot kontrollieren

In Kassel riskieren Tänzer ein Bußgeld. „Wir halten uns an die Vorgaben“, sagte ein Sprecher. Ausnahmen gebe es nicht. Genau so will auch das Ordnungsamt in Offenbach vorgehen. „Die Polizei wird zu Diskotheken gehen und das Verbot kontrollieren“, hieß es dort.

Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen verteidigt das Tanzverbot vehement. „Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass die Ruhe an Karfreitag, einem der höchsten Feiertage der Christen, eingehalten wird.“ Das hohe Kulturgut religiöser Feiertage dürfe nicht preisgegeben werden. „Es ist gut für die Gesellschaft, dass es Tage gibt, an denen Verzicht auf Konsum geübt werden muss. Deshalb müssen auch an anderen Tagen Ladenöffnungszeiten eingehalten und die Sonn- und Feiertage geschützt werden“, sagte der Oberhirte.

Auch das Bistum Limburg will das Fest als christlichen Feiertag gewahrt wissen. Tanzen solle daher verboten bleiben, sagte eine Sprecherin, denn: „Ostern ist ein christliches Fest. Der Karfreitag als Todestag Jesu ist ein Ruhepol, ein Zeichen der Stille und auch der Besinnung in einer turbulenten und hochtourigen Gesellschaft.“

Von Jörn Perske, Carolin Eckenfels und Stephan Scheuer (dpa)

Quelle: op-online.de

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