Tapsigen Schritts ins Rampenlicht

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Tigerbaby am Ball.

Frankfurt - Einer der beiden kleinen Tigerkater rauft mit einem weißen Ball - der andere schaut von der Empore des Katzendschungels im Frankfurter Zoo neugierig zu. Sein spielender Bruder braucht ein paar Anläufe, dann kraxelt auch er über den langen Baumstamm hinauf zur wartenden Mutter Malea.

 Der elf Wochen alte Nachwuchs bei den Frankfurter Sumatra-Tigern ist wohlauf, die Tigermutter kümmert sich liebevoll um ihre beiden Kleinen. „Malea kann eine ausgezeichnete Mutter sein“, sagt Zoodirektor Manfred Niekisch gestern bei der Vorstellung der kleinen Raubkatzen. Das war nicht selbstverständlich.

Denn als die heute zehn Jahre alte Großkatze vor einem Jahr - völlig überraschend - ihr erstes Junges zur Welt brachte, nahm sie es nicht an. Die kleine Daseep wurde daher mit der Flasche aufgezogen und in den Zoo nach Wuppertal gebracht, wo sie mit einem ebenfalls von der Mutter nicht angenommenen Tigerjungen aufwachsen soll. „Das ist oft so, dass Tiere mit ihrem ersten Wurf nichts anfangen können“, sagt Zoo-Sprecherin Caroline Liefke.

Innerhalb von nur acht Monaten ist Malea in der Nacht vom 4. auf den 5. Mai erneut Mutter geworden: Aber eines der drei Neugeborenen starb, die beiden anderen Jungen jedoch überlebten und bringen mittlerweile stattliche 7,8 beziehungsweise 6,8 Kilogramm auf die Waage. „Sie gehen inzwischen auch an fleischliche Nahrung“, sagt Niekisch.

Vater Iban lebt von seinem Nachwuchs getrennt. „Wie im Freiland, wo die Mutter die Kinder auch alleine aufzieht und der Vater seiner Wege geht“, sagt Liefke. Möglicherweise geht er irgendwann auf Paarungsreise. Er sei für die Zucht sehr wertvoll und stark nachgefragt, berichtet Zoo-Sprecherin Christine Kurle.

Freigehege kann eng werden

Iban und Malea hatten sich sehr lange gar nicht gepaart, insgesamt drei Nachkommen seien für einen elfjährigen Sumatra-Tiger auch nicht viel. Außerdem könnte das Freigehege für die vierköpfige Tigerfamilie eng werden. Die beiden Jungen bleiben voraussichtlich bis Mitte 2012 in Frankfurt. „In der Natur würden sie sich auch nach etwa einem Jahr von der Mutter trennen“, sagt Niekisch.

Vor Daseep gab es bei den Frankfurter Sumatra-Tigern 26 Jahre keinen Nachwuchs. Die Raubkatzen gehören zu derzeit 93 Exemplaren der Tigerart in europäischen Zoos und bringen dem Frankfurter Zoo enormen Zulauf. Niekisch spricht von einem Plus von etwa 30 bis 40 Prozent. An einem Wochenende kämen derzeit - je nach Wetter - 10.000 bis 15.000 Besucher. Bei der vom Menschen aufgezogenen Daseep war das Gedränge besonders groß, weil sie nur stundenweise gezeigt werden konnte. „Bei den beiden wären die Schlangen dann wohl noch länger“, meint Niekisch. Die Besucher können aber jederzeit nach den Tigern im Gehege Ausschau halten.

Namen für die beiden Tigerkätzchen werden - mit Hilfe des Hessischen Rundfunks (hr3) und der „Frankfurter Neuen Presse“ - noch gesucht. Ab heute können Radiohörer in der Morgensendung „hr3 pop&weck“ von 6 bis 10 Uhr Namen für die beiden Tiger vorschlagen. Welche Namen schließlich ausgewählt worden sind, will der Zoo voraussichtlich nächste Woche bekanntgeben. „Der Name sollte zu den Tieren und ihrer indonesischen Herkunft passen. Also nicht etwa Heinz-Günther“, betont Niekisch. „Und Schnuffel höchstens auf Indonesisch“, scherzt Hochspringerin Ariane Friedrich, die zusammen mit dem Ensemble des freien Frankfurter Kinder und Jugendtheaters „Theaterhaus“ die Patenschaft für die Tiger übernommen hat - und ein großes Tiger-Tattoo auf dem Rücken trägt.

In freier Wildbahn leben Schätzungen zufolge nur noch zwischen 200 und 400 Sumatra-Tiger, die ihren Lebensraum in den dichten Tiefland- und Hochlandregenwälder der indonesischen Insel Sumatra haben.

dpa

Quelle: op-online.de

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