Mogelpackung?

Al-Wazir für sieben Stunden Fluglärmpause

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Tarek Al-Wazir bei der 100. Montagsdemo in Frankfurt.

Wiesbaden - Für Tarek Al-Wazir geht es um sein Gesellenstück als Minister: Am Frankfurter Flughafen soll es nachts länger ruhig sein. Die Opposition hält die Vorschläge für eine Mogelpackung.

Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) geht mit Vorschlägen für siebenstündige nächtliche Lärmpausen am Frankfurter Flughafen in eine öffentliche Diskussion. Am späten Abend und am frühen Morgen sollten einzelne Landebahnen nicht mehr genutzt werden, sagte er am Freitag in Wiesbaden. "Im Ergebnis hätte ein Teil der Anwohner von 22 bis 5 Uhr, der andere von 23 bis 6 Uhr sieben Stunden Ruhe." Von 23 bis 5 Uhr gilt an Deutschlands größtem Flughafen ohnehin ein striktes Nachtflugverbot.

In Zusammenarbeit mit dem Flughafenbetreiber Fraport, der Lufthansa und der Deutschen Flugsicherung (DFS) hat das Ministerium fünf mögliche Betriebsmodelle erstellt. Sie sollen ab sofort in der Fluglärmkommission, im Forum Flughafen und Region, in Kommunen und Verbänden diskutiert werden. "Wir streben an, bis Ende des Jahres zu einer Entscheidung zu kommen", sagte der seit Januar amtierende Al-Wazir. Ein Probebetrieb mit der ausgewählten Variante solle mit dem Sommerflugplan im März 2015 beginnen.

Al-Wazir nannte die Lärmpausen ein wichtiges Vorhaben der Koalition von CDU und Grünen. Nun gebe es einen Vorschlag dazu. Die Opposition aus SPD, FDP und Linkspartei sprachen von einer Mogelpackung: Der Lärm werde nicht reduziert, sondern umverteilt. Kritik gab es auch am Verfahren: "Der Minister stellt die Modelle in den Raum und lässt die Region damit allein", sagte der SPD-Abgeordnete Marius Weiß. Weil je nach Betriebsmodell der Lärm anders streut, sind die Kommunen rund um den Flughafen unterschiedlich betroffen. Streit wird befürchtet.

Anwohner der Routen zur neuen Nordwestlandebahn können morgens nicht auf Entlastung hoffen. Weil zum Ende des Nachtflugverbots viele Maschinen im Anflug seien, werde die Bahn jeden Tag gebraucht, sagte Al-Wazir. Zum Ausgleich sehen die Modellrechnungen vor, die Nordwestbahn abends ab 22.00 Uhr von Westen nicht mehr anzufliegen. Für den Bürger sollten die Lärmpausen möglichst verlässlich sein, sagte der Minister. Trotzdem könne es wetterbedingte Ausnahmen geben. Die letzte Entscheidung liege immer bei den Fluglotsen.

100. Montags-Demo im Flughafen

100. Montags-Demo im Flughafen

"Ich möchte alle ermutigen, sich in das Verfahren einzubringen", appellierte Al-Wazir. Er wich aber der Frage aus, wer entscheidet, wenn es keine klare Vorliebe für eine Variante geben sollte. Auch im Gespräch mit den Abgeordneten habe Al-Wazir sich nicht festgelegt, sagte René Rock von der FDP. Die Lärmpausen seien eine Chance, die Anwohner zu entlasten, erklärten die hessischen Unternehmerverbände VhU. "Sie sind aber nur zulässig, solange die Flughafenkapazität nicht beeinträchtigt wird." Al-Wazir sah diese Gefahr nicht. Laut Betriebsgenehmigung dürfe es durchschnittlich nicht mehr als 133 Flugbewegungen in den beiden Nachtrandstunden geben. Im Sommer komme Frankfurt auf knapp 100 Flüge, im Winter auf etwa 60. "Da ist im Sinne des Planfeststellungsbeschlusses noch Luft."

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Für die CDU stellte sich Fraktionschef Michael Boddenberg hinter Al-Wazirs Vorschläge: Die Kooperation auf Grundlage des Koalitionsvertrages sei "äußerst verlässlich". Die Lärmpausen sind für den Grünen-Minister aber nicht die einzige Baustelle im Zusammenhang mit dem Flughafen. Die SPD-Oberbürgermeister von Frankfurt, Mainz, Offenbach und Hanau forderten erneut, das Nachtflugverbot von 22.00 bis 6.00 Uhr zu verlängern. Die Bürgerinitiative Raunheim beschwerte sich am Freitag, dass die Lufthansa ein spritsparendes Flachstartverfahren nach einjährigem Test nun bundesweit einführen wolle. Dies bürde der Region mehr Lärm und Schadstoffe auf.

dpa

Quelle: op-online.de

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