Wohin es Hessens Politiker zieht

Nur Al-Wazir urlaubt bei  Griechen

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Griechenland, hier die Akropolis in Athen, genießt in diesem Jahr als Urlaubsziel der politischen Kaste in Hessen eine eher nachgeordnete Priorität. Nicht einmal die Linken praktizieren Sollidarität. Dafür geht die Reise eher in Euro-Musterländer wie Portugal und Irland.

Wiesbaden - Portugal oder die Eifel, Frankreich oder die Nordsee - dort wollen Hessens Politiker Urlaub machen. Kaum einer fährt nach Griechenland. Aber warum nicht? Von Friedemann Kohler

Griechenland hat Europa in den vergangenen Monaten in Atem gehalten: Bleiben die Hellenen im Euro, oder kommt der Grexit? Dem Tourismus tut die Unsicherheit nicht gut, und auch die hessischen Landespolitiker machen einen Bogen um Akropolis und Olympia, weiße Inseln und blaues Meer. Geradezu demonstrativ fahren die CDU-Politiker Volker Bouffier und Michael Boddenberg in ein Land, das europäische Reformvorgaben erfüllt - nach Portugal. Nach Griechenland zieht es von den hessischen Spitzenpolitikern wohl nur Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Er hat mit Familie schon mehrfach dort Ferien gemacht. Aber zum ersten Mal seit Kinderzeiten vor drei Jahrzehnten fliegt er wieder auf die Insel Kreta. Er ist damals durch die berühmte Samaria-Schlucht gewandert und überlegt nun, ob sein Ältester schon so weit ist.

„Wie viele Millionen Bürger in unserem Land freue ich mich riesig darauf, mit meiner Familie die Sommerferien zu verbringen“, sagt Ministerpräsident Bouffier. Politik bestimme in seinem Leben viel, doch das Urlaubsziel wähle die Familie. „Wir haben uns in diesem Jahr für Portugal entschieden.“ Dort hoffe er „auf etwas Ruhe für die Familie, den Sport und auch für das eine oder andere Buch“.

Ob er als Finanzminister aus Deutschland im Griechenland-Urlaub viel Freude hätte, fragt sich Thomas Schäfer (CDU). „Wahrscheinlich schon.“ Aber auch da hat er nicht das Fachliche der Schuldenkrise im Blick, sondern „ein tolles Land mit gastfreundlichen Menschen, hinreißenden Landschaften und jeder Menge Kultur“. Der Familienrat hat indes in diesem Sommer Kroatien gewählt. „In einem Ferienhaus etwas ab vom Schuss sind meine Papa-Qualitäten bestimmt besonders gefragt: spielen, toben, vorlesen, gemeinsam kochen, Ausflüge machen.“ Das Handy werde er einige Tage nur aus der Ferne betrachten.

„In der Tat gilt Griechenland als sehr schönes Urlaubsland - gerade die Inseln müssen traumhaft sein“, meint SPD-Landes- und Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel. Hohe Temperaturen seien aber nichts für ihn. Inselgefühl will die Familie auf Föhr in der Nordsee erleben. „Die Fahrräder werden genauso gepackt wie eine größere Anzahl von Büchern.“

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Bei CDU-Fraktionschef Boddenberg wechseln sich die Urlaubsziele Irland (auch eine Erfolgsgeschichte des Europäischen Rettungsschirms ESM) und Portugal ab. Diesmal ist Portugal dran, und Boddenberg freut sich auf den Blick über den Atlantik, auf liebenswerte Menschen und die Begegnung mit guten Büchern.

Nicht einmal bei den Linken-Fraktionsvorsitzenden reicht die Solidarität mit der hellenischen Regierungspartei Syriza so weit, dass sie nach Griechenland fahren. Vielleicht im Herbst, sagt Janine Wissler. Der Sommer dort sei zu heiß zum Wandern oder Radfahren. Willi van Ooyen hat seit Jahrzehnten ein Haus in Frankreich, und dort fährt er hin. „Ich freue mich auf eine erholsame Zeit und viele Gespräche und Begegnungen bei einem guten Rotwein und kulinarischen Leckerbissen.“

„Nein, in diesem Jahr steht kein Griechenland-Urlaub an, was jedoch eine gänzlich unpolitische Entscheidung ist“, erklärt Florian Rentsch, Fraktionschef der FDP. Auch er steuert die Nordsee an und zwar „ein Land mit gelebter Freiheit, das sehr kinderfreundlich ist“: die Niederlande. „Mein Exit aus dem Politikalltag ist kein Grexit, sondern ich gehe wieder wandern“, sagt Grünen-Fraktionschef Mathias Wagner. Diesmal seien die nächsten Etappen des Eifelsteigs dran.

dpa

Quelle: op-online.de

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