Kennzeichen: Gesenkter Blick

Weihnachtsmärkte: Eldorado für Taschendiebe

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Die Polizei geht auf dem Weihnachtsmarkt in Frankfurt Streife.

Frankfurt - Alle Jahre wieder reisen Taschendiebe von einem Weihnachtsmarkt zum anderen, um im Gewimmel Geldbeutel und Handys zu klauen. Zivilfahnder sind ihnen in vielen Großstädten auf der Spur. In Frankfurt hat die Polizei bereits mehrere Verdächtige festgenommen. Von Ira Schaible

Für Taschen- und Trickdiebe sind Weihnachtsmärkte ein Eldorado. „Zur Weihnachtszeit haben die Leute mehr Geld einstecken und sind daher bessere Opfer“, sagt Polizeihauptkommissar Marcus Druschke. „Dann sind auch mehr Taschendiebe in der Stadt.“ Die Frankfurter Fahnder sind mit Kollegen in anderen deutschen Großstädten und mit Europol vernetzt. Denn die Diebe bleiben meist nur einige Tage und verlegen ihr Revier dann in die nächste Großstadt. „Wir wissen, wer unsere reisenden Taschendiebe sind“, sagt eine Zivilfahnderin. Oft haben die Ermittler sogar Fahndungsfotos dabei. 29 Taschen- und Trickdiebstähle haben die Frankfurter Ermittler in den ersten fünf Tagen des Weihnachtsmarkts aufgenommen. Bis dahin wurden acht mutmaßliche Diebe festgenommen. „Die ersten ein bis drei Tage haben wir immer hohe Fallzahlen, danach wird es weniger“, sagt Druschke. Auch auf den Weihnachtsmärkten in Wiesbaden und Kassel wurden bereits einige Diebstähle angezeigt. Festgenommen wurde aber noch niemand, auch in Darmstadt und Offenbach nicht.

Unter den 20 bis 55 Jahre alten Verdächtigen des Frankfurter Weihnachtsmarkts sind nur zwei Männer. „Die meisten Menschen lassen Frauen näher an sich heran“, erläutert ein Zivilfahnder. „Die Opfer sind vor allem Frauen, ältere Menschen und Asiatinnen.“ Besonders auf Mobiltelefone und Geld haben es die Täter abgesehen.

Woran erkennen die Fahnder einen Taschendieb? „Wenn jemand kein Interesse an Lebkuchen oder Getränken hat, sondern nach potenziellen Opfern schaut“, sagt der Leiter der Zivilfahnder. Seine Kollegin beschreibt es so: „Man erkennt Taschendiebe an ihren leicht gebeugten Blicken runter zu den Taschen.“ Liegt ein Verdacht vor, beginnen die Zivilfahnder mit ihrer Observation - und die kann dauern. „Erst wenn die Hand in der Tasche ist, nehmen wir fest“, berichtet die Zivilfahnderin.

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Ein Trickdiebstahl-Duo haben die Ermittler drei Stunden lang beobachtet, bevor sie es auf frischer Tat ertappen konnten: Die 24 und 36 Jahre alten Männer hatten einem älteren Herren aus Büdingen einen Briefumschlag mit 8000 Euro aus der Jackentasche gestohlen, ohne dass es dieser gemerkt hatte.

Taschendiebe gehen meist arbeitsteilig vor: „Es gibt Abdecker, Zieher und Blocker“, erläutert die Zivilfahnderin. Der „Blocker“ bremst das Opfer von vorne aus, so dass sein Komplize, der „Zieher“, von hinten etwa die Geldbörse stehlen kann. Der „Abdecker“ kann das Geschehen noch zusätzlich mit dem Rücken abschirmen. Der „Zieher“ gibt dem Abdecker die Beute, damit ihm - wenn er erwischt wird - nichts nachzuweisen ist.

Hochzeit für die Diebe ist ab 17 Uhr, wenn die Menschen nach der Arbeit auf den Weihnachtsmarkt drängen. Dabei gilt: „Gelegenheit macht Diebe“. Viele Menschen seien mit offenen Taschen unterwegs, aus denen ihr Portemonnaie leicht entwendet werden könne.

dpa

Quelle: op-online.de

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