Frankfurter Frauennotruf

Tatort Schlafzimmer die Realität

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Frankfurt - Die eigenen vier Wände sind ein sicherer Ort. Wirklich? Die wenigsten wissen, dass das eigene Schlafzimmer gefährlicher sein kann, als die dunklen Ecken der Stadt. Von Vanessa Koller 

Das vermeintlich schöne Zuhause an einen eher unsicheren Ort bringen - mit dieser Aktion wollte die Beratungsstelle Frauennotruf auf sexuelle Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen. Und so stand jetzt ein Bett mitten auf der Konstablerwache. „Körperliche und sexuelle Gewalt gegen Frauen findet leider oft unbemerkt in den eigenen vier Wänden statt“, erzählt Angela Wagner vom Frauennotruf, „der Tatort Schlafzimmer ist für viele Frauen leider die Realität.“ Passanten sollten mit dem Projekt, dass die Beratungsstelle gemeinsam mit der Agentur Young & Rubicam verwirklicht hat, darauf aufmerksam gemacht werden.

In einer europaweiten Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) wurden 42 000 Frauen im Alter von 18 bis 74 Jahren befragt. Das erschreckende Ergebnis: Jede dritte Frau gab an, seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren zu haben. 22 Prozent der Befragten waren körperlicher oder sexueller Gewalt durch einen Partner ausgesetzt. Oft bleibt es nicht beim einmaligen Übergriff. „31 Prozent der Frauen, die von ihrem Partner vergewaltigt wurden, erlitten diese Übergriffe mehr als sechsmal“ erläutert Angela Werner. In Deutschland lag die Zahl der Anzeigen wegen Vergewaltigung in den vergangenen Jahren bei jährlich etwa 8 000, eine niedrige Quote im europaweiten Vergleich. Die Dunkelziffer der Sexualdelikte wird daher sehr hoch geschätzt. In der Studie gaben 67 Prozent der Frauen an, schwerwiegende Vorfälle innerhalb einer Partnerschaft weder der Polizei noch einer anderen Organisation gemeldet zu haben. Scham und Schuldgefühle über den Vorfall überwiegen bei den Betroffenen.

Frauen litten an schwerwiegenden Folgen

Besonders gefährdet sind Frauen im Alter von 18 bis 29, gerade sie „definieren“ Wagner zufolge eine juristisch eindeutige Vergewaltigung in Ehe und Partnerschaft nicht als solche. Eine Anzeige komme für sie nicht in Betracht. „Die Konsequenzen, die Frauen in einer Ehe ziehen müssen, sind für viele zunächst nicht deutlich“, erklärt Wagner weiter, „Außerdem vertrauen sich Frauen oft niemandem an, weil sie befürchten, dass Dritte über ihren Kopf hinweg Anzeige erstatten.“ Die Folgen für die Opfer sind schwerwiegend: 21 Prozent der Frauen litten infolge von sexueller Gewalt unter Panikattacken, 35 Prozent unter Depressionen. Frauen, die eine medizinische Versorgung ohne vorausgegangene Anzeige wünschen, haben die Möglichkeit, in sieben Frankfurter Kliniken schnell Hilfe zu finden.

Quelle: op-online.de

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