Warnstreik im öffentlichen Dienst

Tausende in der Region im Ausstand

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Mehrere tausend Beschäftigte des öffentlichen Dienstes beteiligten sich in Frankfurt an einem Protestmarsch durch die Innenstadt.

Offenbach - Ob in Offenbach, Hanau, Langen, Frankfurt oder anderen Städten der Region: überall die gleichen Bilder. Hier warten Pendler vergebens auf ihren Bus, dort bleibt die Mülltonne ungeleert an der Straße stehen.

Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes sind gestern in den Warnstreik getreten. Es soll Druck gemacht werden auf die laufenden Tarifverhandlungen. Zwar waren die S-Bahnen, die im Rhein-Main-Gebiet als einziges öffentliches Verkehrsmittel ohne Einschränkungen fuhren, nach Auskunft der Deutschen Bahn nicht überfüllt, zwar lösten sich die Staus im morgendlichen Berufsverkehr nach Angaben der Polizei rasch auf, und kein Abiturient versäumte nach Darstellung des Kultusministeriums die Prüfungen – dennoch zeigten Betroffene nicht immer Verständnis für die Auswirkungen des Warnstreiks.

Die Offenbacherin Saechon ärgerte sich: „Ich bin schwanger und muss jetzt vom Marktplatz zum Krankenhaus laufen, das ist echt ärgerlich. Die streiken so oft, das nervt.“

Beispiel Offenbach: Die Stadtbusse blieben im Depot, „das war von Verdi so angekündigt und ist auch eingetroffen“, resümierte Christine Wüst-Rocktäschel, Sprecherin der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB). Viele Fahrgäste stellte der Warnstreik aber vor Herausforderungen. Zumal die Anzeigetafeln in die Irre führten. Zwar informierte ein kurzer, durchlaufender Text über die Ausfälle, die ursprünglichen Abfahrtszeiten der Stadtbusse wurden aber ebenfalls angezeigt. „Auf der Tafel steht, dass mein Bus, die 103, gleich kommt, aber das kann ja nicht stimmen“, wundert sich die Offenbacherin Anna Propadalo. Eine andere Bürgerin ist überrascht: „Ich habe nicht gewusst, dass heute gestreikt wird“, sagt Helga Raschig. „Die Strecke kann ich zwar auch zu Fuß zurücklegen, aber ich habe eine Menge Einkaufstaschen dabei, das ist ärgerlich.“ Auch Gerlinde Saouli ist erschöpft. „Ich bin von Offenbach-Ost zum Marktplatz gelaufen, jetzt warte ich hier wieder. Später lege ich meine Füße hoch.“

Nicht nur Nahverkehr vom Streik betroffen

Margarethe Dröse nahm es gelassen: „Wenn Verdi damit Erfolg hat, sollen sie eben streiken.“

Doch nicht nur der Nahverkehr war vom Streik betroffen, auch in den städtischen Kindertagesstätten legten Mitarbeiterinnen ihre Arbeit nieder. „Bei uns streikten etwa 300 Erzieherinnen“, berichtete Hermann Dorenburg, Leiter des Jugendamts und des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach EKO. Schwierigkeiten gab es aber nicht. „In mehreren Kitas wurden deshalb Notdienste eingerichtet, sodass wir dem Bedarf gerecht werden konnten. „Wir hatten die Eltern vorab informiert, und viele, die das organisieren konnten, haben ihre Kinder daraufhin auch zuhause behalten.“

Gerlinde Saouli musste in Offenbach zu Fuß weite Wege zurücklegen.

Dennoch fehlte so manchem Bürger das Verständnis für die Streikenden. „Hier wird ein Thema der Erwachsenen wieder einmal auf dem Rücken der Kleinen und Schwachen ausgetragen. Wo bleibt da die soziale Verantwortung?“, fragte etwa Roger Zimmas in einer E-Mail an unsere Redaktion. Als „vollkommen überzogen“ kritisierten die kommunalen Arbeitgeber die Warnstreiks in Hessen. Die Gewerkschaft Verdi indes verbuchte den Warnstreik als vollen Erfolg. „Wir sind sehr zufrieden. Die Beteiligung war groß“, teilte Verdi-Sprecherin Ute Fritzel auf Anfrage unserer Zeitung mit. „Mit dem Streik haben wir ein kraftvolles Zeichen für die Tarifverhandlungen gesetzt.“ Verdi fordert für die bundesweit 2,1 Millionen Beschäftigten 100 Euro pauschal und 3,5 Prozent mehr Geld. Heute und morgen wollen Arbeitgeber und Gewerkschaften in Potsdam zur zweiten Tarifrunde zusammenkommen. Ein Angebot gibt es bisher nicht.

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Bilder vom bundesweiten Warnstreik

Nach Angaben von Verdi nahmen in Hessen insgesamt 10.000 Menschen an Demonstrationen und Kundgebungen teil, bei der zentralen Kundgebung in Frankfurt zählte die Polizei 2300 Teilnehmer. „Gute Löhne für gute Arbeit müssen entschieden eingefordert und notfalls auch erkämpft werden“, sagte Verdi-Landesvorsitzender Jürgen Bothner. In Hessen sind 85.000 Beschäftigte bei Gemeinden und Bund und 130.000 bei anderen Organisationen, etwa in Eigenbetrieben oder Zweckverbänden, von den Tarifverhandlungen betroffen.

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Heute und morgen soll es noch Warnstreiks im privaten Busgewerbe in Hessen geben, davon ist unter anderem Langen betroffen. Im öffentlichen Dienst waren die Aktionen auf Mittwoch beschränkt. Einen Zwischenfall gab es am Morgen in Weiterstadt: Dort setzte sich ein leitender Mitarbeiter eines privaten Busunternehmens ans Steuer und fuhr drei Streikposten an. Die Männer wurden leicht verletzt.

jö/vko/mpe/ad

Quelle: op-online.de

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