Wieder Tausende im Terminal

+
Sie wollen so lange wiederkommen, bis ihre Forderungen nach mehr Lärmschutz erfüllt sind. Auch gestern zogen wieder tausende Demonstran ten zum Terminal 1 des Flughafens.

Frankfurt - Der Montagsprotest gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens und die damit verbundene Lärmbelastung geht unvermindert weiter. Bei der ersten Kundgebung im Terminal 1 nach der „Weihnachtspause“ seit dem 19. Dezember schätzten die Veranstalter die Teilnehmerzahl auf „sicherlich über 6000“, so Anmelder Herbert Oswald gestern Abend. Von Michael Eschenauer

 Beim letzten Termin war man von 5000 Protestlern ausgegangen. Und jetzt haben die Aktiven sogar Goethe ins Boot geholt. „Der Worte sind genug gewechselt. Nun lasst uns endlich Taten sehen“, zitierte Redner Wilfried Heuser von der Bürgerinitiative Schwanheim des Dichterfürsten Faust. Er spielte auf die für viele als abrupt empfundenen Wendemanöver hin zur Forderung nach einem absoluten Nachtflugverbot, schärferen Schutzauflagen und Gesprächskreisen an. So ist für Mittwoch ein Treffen von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) mit Bürgerinitiativen anberaumt. Auf diese Weise hatten bisher dezidierte Ausbaubefürworter wie der OB-Kandidat der CDU für Frankfurt, Innenminister Boris Rhein, Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) und eben Bouffier auf die unerwartet heftigen Proteste reagiert. „Ist das glaubwürdig?“, fragte Heuser - um ein tausendfaches „Nein - Lügner!“ als Echo zu hören.

Landebahn soll geschlossen werden

Inmitten all der Tröten, Trillerpfeifen, Trommeln und Transparente kristallisierte sich immer deutlicher die Forderung nach einer Schließung der Nordwest-Landebahn heraus. Bisher waren häufiger nur eine Beschränkung der Flugbewegungen, mehr aktiver Lärmschutz, andere Flugkorridore und ein besserer Schutz der Nachtruhe gefordert worden.

Der Protestzug erstreckte sich über den Abflugbereich des Terminals und im Freien über große Abschnitte der Anfahrtsstraße. 

„Seit Sonntag 10 Uhr ist einigermaßen Ruhe in Mühlheim“, berichtete Jürgen Köhler. Doch die vorangegangenen zwei Monate bei Westwind seien grauenhaft gewesen. Die Mobilisierung nehme in Stadtteilen, die nun deutlich stärker dem Lärm ausgesetzt seien, weiter zu. Köhler stellt die Planungszahlen für den Frachttransport in Frage: „Drei große Fracht-Drehkreuze sind in Dubai, Abu Dhabi und Doha geplant. Die von Lufthansa-Cargo anvisierten Mengen lassen sich nie halten.“ Richtig ungemütlich werde es, wenn die Ferienzeit mit den Touristenflügen beginne. Sein Begleiter Oliver aus Lämmerspiel hat die Erfahrung gemacht, dass Bürger, die knapp neben den Kern-Flugkorridoren wohnten, eher passiv bleiben. Der Hauptanteil der Aktiven erstrecke sich auf diejenigen, die genau unter den Flugkorridoren leben müssten oder die Neubelasteten. Trotzdem: „Nächsten Montag sind wir wieder dabei.“ Auch aus Rumpenheim meldet der dortige BI-Vorsitzende Heinz Meier-Ebert steigende Zahlen bei den Aktiven.

Menschen wollen wegziehen

Dass die Menschen bei der Stange bleiben, diese Erfahrung hat auch Marion Günzel-Ahl aus Offenbach gemacht. „Es kann nicht so bleiben, man kann hier nicht leben“, sagt sie. Die Familie will wegziehen, wenn der Sohn mit der Schule fertig ist. Ähnlich sehen es auch Karl-Heinz und Petra Köhler aus Hanau-Großauheim. Der Garten biete keinen Erholungswert mehr, „Wenn es so bleibt, ziehen wir in die Gegend östlich von Aschaffenburg.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare