Telefonkunden im großen Stil abgezockt

Frankfurt ‐ Mindestens 100.000 Menschen soll die Telekommunikationsfirma Telomax aus Frankfurt abgezockt haben. In einer Großrazzia haben gestern mehr als 1000 Polizisten und zehn Staatsanwälte vor allem in Frankfurt und Umgebung zahlreiche Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Von Ralf Enders

Insgesamt hatten die Ermittler 55 Objekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Visier. Dabei nahmen sie den 31-jährigen mutmaßlichen Kopf der Bande und sieben weitere Haupttäter fest, wie die Frankfurter Staatsanwaltschaft mitteilte. Das Verfahren wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs richtet sich gegen insgesamt 14 Beschuldigte. Die offenbar betrügerische Firma, die am Frankfurter Westhafen ihren Sitz hat, soll die Telefonkunden in die Irre geführt und versteckt Geld von ihren Konten abgebucht haben. Mindestens 1,6 Millionen Euro seien so ergaunert worden.

Oberstaatsanwalt Thomas Bechtel sprach gegenüber unserer Mediengruppe jedoch von der „Spitze des Eisbergs“. Die tatsächliche Zahl der Opfer und des erbeuteten Geldes dürfte seinen Angaben zufolge „noch viel höher liegen“.

Bisherige Opferzahl nur die Spitze des Eisbergs

Die mutmaßlichen Betrüger machten sich eine 2007 ins Telekommunikationsgesetz eingefügte Vorschrift zunutze. Demnach können „Mehrwertdienstleistungen“ über die Telefonrechnung vom Netzbetreiber eingezogen werden. Grundlage muss aber eine Dienstleistung sein, bei der die Vertragspartner - hier die Telomax GmbH und die betrogenen Telefonkunden - einen Berechtigungscode vereinbart haben.

Die Masche ist kompliziert und führt in den Dschungel moderner Kommunikation. Vereinfacht dargestellt gelangte Telomax an den Code über Call-Center, von denen gezielt ältere Menschen angerufen und mit Gewinnen geködert wurden. Die Betrüger schoben den Opfern während der Gespräche den Berechtigungscode und Fragen unter, auf die die Angerufenen nur mit „Ja“ antworten konnten.

Bechtel meinte, die Betrüger hätten „offensichtlich erkannt, dass diese Art der Abrechnung die Möglichkeit bietet, leichter als über einen Lastschrifteneinzug vermeintliche Forderungen einzuziehen, da diese Art des Inkasso in der Bevölkerung weitgehend unbekannt ist“. Viele bemerkten den Einzug gar nicht, weil sie ihre Telefonrechnung nicht kontrollierten.

Quelle: op-online.de

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