Gegner setzen auf Bedarfsprüfung

Terminal 3 spaltet die Region

Frankfurt/Offenbach - Der Bau des dritten Terminals am Frankfurter Flughafen ist rechtlich einwandfrei, politisch aber weiterhin umstritten. Nachdem die Stadt Frankfurt am vergangenen Dienstag die Baugenehmigung erteilt hat, diskutiert die Region über das Milliardenprojekt.

Der Raunheimer Bürgermeister und Vorsitzende der Fluglärmkommission, Thomas Jühe, etwa ist dem Sender hr-info zufolge „wütend“ auf die Frankfurter Bauaufsicht und macht ihr schwere Vorwürfe. Die Genehmigung für Terminal 3 sei für seinen Geschmack ein wenig zu schnell gekommen. Die Stadt habe sich über ein neues Rechtsgutachten hinweggesetzt, sagte der SPD-Politiker dem Sender. „Dieses besagt, dass eine Baugenehmigung nicht so einfach zu erteilen ist.“ Jühe sieht jetzt die Landesregierung am Zug.

Zudem wird die Baugenehmigung nach Jühes Einschätzung für verstärkte Demonstrationen sorgen. Auch der Offenbacher Flughafen-Dezernent Peter Schneider (Grüne) zeigte sich enttäuscht. Schneider appellierte an die Landesregierung, aber auch an den Flughafenbetreiber Fraport, auf den Terminalbau zu verzichten und führte ebenso wie Jühe die seiner Ansicht nach stagnierenden Zahlen im Luftverkehr an. Schneider forderte eine neue Prognose „auf Basis der aus heutiger Sicht realistischen Zahlen“.

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Weniger diplomatisch äußerte sich Ingrid Wagner, die Vorsitzende der Bürgerinitiative Luftverkehr Offenbach: „Der Größenwahn der Fraport AG wird ohne Rücksicht auf die Bevölkerung und sogar gegen eigene wirtschaftlichen Interessen des Flughafens fortgesetzt.“ Aber auch die Befürworter des Projekts meldeten sich zu Wort. Florian Rentsch, Fraktionschef der oppositionellen FDP im Landtag und ehemaliger Wirtschaftsminister des Landes, freute sich, dass sich der „Rechtsstaat durchgesetzt“ hat. Die Baugenehmigung sei auch ein Signal an die schwarz-grüne Koalition in Wiesbaden, „endlich die politischen Finger aus einem rechtsstaatlichen Verfahren zu nehmen“.

Fluglärm-Urteile für Frankfurter Flughafen

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Die Frankfurter IHK begrüßte ebenfalls das grüne Licht für Terminal 3. „Die Stärkung des Flughafens als Luftverkehrsdrehkreuz ist von außerordentlicher Wichtigkeit, da davon die positive wirtschaftliche Entwicklung und das Wohlergehen der Menschen in Frankfurt/Rhein-Main entscheidend abhängen“, so Hauptgeschäftsführer Matthias Gräßle. Die Stadt Frankfurt hatte Fraport am Dienstag die Genehmigung zum Bau erteilt. Damit könnten die Arbeiten für den ersten, 2,5 Milliarden Euro teuren Bauabschnitt sofort beginnen. Fraport will den Bedarf jedoch erneut prüfen. Die Koalition aus CDU und Grünen, die sich beim Thema Flughafenausbau Zurückhaltung auferlegt hat, fordern nun diese im Koalitionsvertrag festgeschriebene Bedarfsprüfung.

re

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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