Gutachter sollen Terminal-Bau beurteilen

Al-Wazir lässt Fraport-Pläne überprüfen

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Tarek Al-Wazir

Wiesbaden - Ob das dritte Terminal am Frankfurter Flughafen kommt, steht weiter in den Sternen. Rechtlich ist längst alles klar. Der grüne Verkehrsministers Al-Wazir will mit externen Gutachten versuchen, den Bedarf für den Bau zu widerlegen.

Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) will mit externen Gutachten zu den Wachstumsprognosen am Frankfurter Flughafen nach Alternativen für den Bau von Terminal 3 suchen. Das Land wolle als größter Airport-Anteilseigner vor einer Milliardeninvestitionen die Frage klären, ob diese zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll sei und ob es andere Möglichkeiten gebe, erklärte der Minister gestern im Wiesbadener Landtag den Schritt.

Harte Kritik an seinem Kurs erntete der Grünen-Politiker in der lautstarken Debatte von der Opposition. SPD, FDP und Linke warfen Al-Wazir vor, nicht zum Flughafen als wichtigem Wirtschaftsfaktor für Hessen zu stehen oder die eigene Position verlassen zu haben. Fraport sei rechtlich in der Lage, mit dem Bau von Terminal 3 zu beginnen, betonte Al-Wazir. Aus Baurecht folge aber keine Baupflicht. Das Investitionsvolumen betrage rund zwei Milliarden Euro.

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Der Flughafenbetreiber will das dritte Terminal bis 2021 bauen und begründet das mit Gutachten, die bis dahin eine Zunahme der Passagierzahlen auf 68 bis 73 Millionen pro Jahr vorhersagen. Für 2014 wird mit knapp 60 Millionen Fluggästen gerechnet. Zweifel an den bisherigen Gutachten zum Flugverkehr bekräftigte auch der Grünen-Flughafenexperte Frank Kaufmann. „Die Prognostiker haben sich also nach aktueller Erkenntnis bei der zentralen Begründung für die Ausbaunotwendigkeit um mehr als 300 Prozent geirrt“, sagte das Fraport-Aufsichtsratsmitglied. Die Steigerungsrate sei viermal so groß eingeschätzt worden als sie sich tatsächlich darstelle.

FDP-Fraktionschef Florian Rentsch verlangte von Al-Wazir ein klares Bekenntnis zum Terminal 3 und forderte mehr Rücksicht auf das Wirtschaftswachstum im Land. „Es ist eben ihre Aufgabe, nicht nur den Fluglärm sich anzugucken, sondern vor allem mal die Wachstumsperspektiven dieses Jobmotors in den Blick zu nehmen.“ Der SPD-Abgeordnete Marius Weiß (SPD) betonte, die Sozialdemokraten stünden zu dem Bau von Terminal 3. Politisch und rechtlich sei die Entscheidung dafür gefallen. Er kündigte eine eigene Anhörung zu dem Vorhaben an.

Linken-Fraktionschefin Janine Wissler kritisierte: „Leider scheinen die Grünen sich mit dem Bau des Terminals 3 abgefunden zu haben.“ Nach einem Dreivierteljahr Regierungsbeteiligung habe die Partei jede Möglichkeit verpasst, einen weiteren Flughafenausbau zu verhindern. Walter Arnold von der CDU warf Rentsch vor, mit seiner Kritik lediglich einen „Spaltpilz“ zwischen CDU und Grüne einpflanzen zu wollen.

dpa

Quelle: op-online.de

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