Fragen und Antworten zum umstrittenen Terminal 3

Ist ein ähnliches Bau-Desaster wie in Berlin-BER zu erwarten?

+
Mit zwei 400 und 600 Meter langen „Fingern“ für die Abfertigung auch von Großraum-Flugzeugen wird sich das neue Terminal 3 (hier in einer Computer-Animation dargestellt) im Süden des Flughafengeländes ausbreiten.

Frankfurt - Nach jahrelangem heftigen Streit rollen nun die schweren Baugeräte, um im Süden des Frankfurter Flughafens ein neues Passagierterminal zu errichten. Von Christian Ebner

Für bis zu 3 Milliarden Euro will die Betreibergesellschaft Fraport ein Gebäude bauen, in dem jährlich bis zu 14 Millionen Fluggäste abgefertigt werden können. Das entspricht der Größe des Flughafens in Hamburg und liegt deutlich über den Zahlen von Köln/Bonn oder Stuttgart.

Wozu braucht Fraport das dritte Terminal? 

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Redakteur Michael Eschenauer.

Um der ständig steigenden Zahl der Passagiere organisatorisch Herr zu werden. „Es geht um die Qualität der Abfertigung“, sagt Fraport-Chef Stefan Schulte. Die beiden bestehenden Terminals steuern einer Studie zufolge bei ständig steigenden Fluggastzahlen auf einen Kollaps zu. Spätestens bei 71 Millionen Passagieren pro Jahr seien die Kapazitätsgrenzen etwa für Kontrollen, Warteräume, Check-In und Grenzformalitäten zuerst im Terminal 2 nahezu erschöpft. Der Flughafenbetreiber will zudem möglichst wenige Jets auf dem Vorfeld be- und entladen. Bei der Zahl der komfortableren Gebäudepositionen liege Frankfurt hinter den Wettbewerbern zurück. Schlechter Service ziehe vor allem Billigflieger, nicht aber Qualitäts-Airlines an.

Wer nutzt das neue Gebäude? 

Alle Informationen zum Frankfurter Flughafen finden Sie auf der Themenseite

Fraport will die zusätzlichen Kapazitäten ab 2022 vor allem an sogenannte Non-Star-Airlines vergeben. Gemeint sind Gesellschaften, die nicht der vom Hauptkunden Lufthansa dominierten „Star Alliance“ angehören, die wegen der Umsteigebeziehungen weiterhin an den Terminals 1 und 2 bleiben sollen. Das weiter entfernte Terminal 3 ist aber durchaus alleine groß genug, um einen kleineren Umsteigeknoten zu schaffen. Also könnte ein anderes Bündnis von Fluglinien-Allianzen sich dort einmieten wie OneWorld (British Airways, Cathay Pacific und andere) oder SkyTeam (Air France, Delta, Aeroflot). Auch Billigflieger oder die arabischen Lufthansa-Konkurrenten wie Qatar, Etihad und Emirates könnten künftig im Süden des Drehkreuzes ausladen.

Flughafen: Fakten rund um das neue Terminal 3

Wird es mit den neuen Kapazitäten zusätzliche Flüge geben? 

Die Kapazitäten des Frankfurter Flughafens sind grundsätzlich durch das komplizierte Bahnensystem beschränkt. Ein zusätzliches Gebäude schafft keine zusätzlichen Zeitfenster für Starts und Landungen, sogenannte Slots, die auch wegen des Nachtflugverbots eingeschränkt sind. Wegen des Einsatzes größerer Flugzeuge ist in den vergangenen Jahren die Zahl der Flugbewegungen absolut zurückgegangen, obwohl mehr Passagiere den Flughafen nutzten. Das muss aber bei jährlichen Steigerungsraten nicht so bleiben.

Was sagen die Ausbaugegner?

Gestern haben die Bürgerinitiativen ihre 151. Montagsdemonstration gegen die Flughafenerweiterung ausgerufen. Auf einen Protest am Bauzaun habe man verzichtet und wolle stattdessen am Abend im Terminal seine Meinung lautstark kundtun, kündigte ein Sprecher an. Die Bürger wollen aus Sorge um Umwelt und Gesundheit der Bevölkerung die vor vier Jahren in Betrieb genommene Landebahn Nordwest wieder schließen und das Terminal 3 verhindern. Die Zahl der Flugbewegungen soll auf 380 000 pro Jahr beschränkt werden - das sind rund 90 000 weniger als aktuell geflogen werden. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hält das Terminal 3 für „eine noch größere Fehlinvestition“ als den „Flughafen BER“: Das neue Terminal werde in einigen Jahren entweder leerstehen oder nur notdürftig mit Billigfliegern aufgefüllt sein, sagte VCD-Landesvorstand Werner Geiß. Andere Fluglärmgegner befürchten, dass das „Shoppingcenter für Umsteiger mit angeschlossenem Flughafen“ eine neue Landebahn nach sich ziehen könnte - und damit mehr Lärm.

Bilder: Spatenstich für Terminal 3 am Flughafen Frankfurt

Was ist aus dem Widerstand der Grünen geworden? 

Nachdem das Bundesverwaltungsgericht im April 2012 die Planfeststellung für Landebahn und Terminal 3 bestätigt hat, ist bei den hessischen Grünen die Luft raus. Der grüne Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir musste sich im Landtag zuletzt rechtfertigen, weil er nicht an der Spatenstich-Zeremonie teilnimmt. Sein Haus hatte zu Beginn der schwarz-grünen Koalition die planfestgestellten Ausbaupläne noch einmal überprüfen lassen und Alternativen vorgeschlagen. Letztlich blieb es aber bei der Planung im Süden des Flughafens, für die schließlich die Stadt Frankfurt Baurecht erteilte.

"Wir sind im Zeitplan" - Zitate zum BER-Debakel

Ist ein ähnliches Bau-Desaster wie in Berlin-BER zu erwarten? 

Im Moment spricht nichts dafür. Fraport verzichtet auf einen Generalunternehmer, weil das Unternehmen laut Schulte genug Kompetenz hat, ein derartiges Großprojekt selbst zu stemmen.

dpa

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare