Terroranschlag simuliert

+
Nach einem simulierten Handgranatenanschlag simulierten Feuerwehrleute und Sanitäter notärztliche Hilfe.

Frankfurt - Ein lauter Knall, Hilferufe aus dem U-Bahnhof und Streifenwagen mit Blaulicht: Polizei, Feuerwehr und Verkehrsbund probten den Ernstfall. 1300 Menschen halfen bei der Simulation eines terroristischen Anschlags in Frankfurt. Die Organisatoren zeigten sich zufrieden.

Zur letzten Großübung am Frankfurter Flughafen lesen Sie:

Die Toten werden zuletzt gezählt

Verzweifelte Hilfeschreie tönten aus dem Frankfurter Ostbahnhof, nachdem ein ohrenbetäubender Knall durch den U-Bahnschacht gegangen war. Bis in den Fußgängertunnel am Danziger Platz drang das Rufen und Stöhnen, das Passanten in Schaudern versetzen musste. Was wie das Schreckensszenario eines Terroranschlags wirkte, war in Wirklichkeit eine seit über drei Monaten geplante Katastrophenübung von Polizei, Feuerwehr und der Frankfurter Verkehrsgesellschaft. Nicht die lauten Hilferufe, sondern den Großeinsatz insgesamt nannte der Feuerwehrleiter Reinhard Ries „extrem realistisch“.

Wartezeit wirkt wie eine kleine Ewigkeit

Deshalb wirkte auch die Wartezeit bis zur Ankunft der Sanitäter und Feuerwehrleute wie eine kleine Ewigkeit. Mehr als 20 Minuten vergingen, ehe die ersten künstlich Verletzten zur ärztlichen Versorgung auf den angrenzenden Danziger Platz gebracht werden konnten. Denn wie im Ernstfall musste ein Feuerwehrmann den Bahnhof erst auf chemische Stoffe und radioaktive Strahlung von der Explosion untersuchen, um die Retter nicht in Gefahr zu bringen.

Ein herrenloser Koffer in einem U-Bahn-Wagen verzögerte die Bergung weiter. Beim Einsatzleiter lag die schwierige Entscheidung, ob Sprengstoffexperten den Koffer erst untersuchen sollen, oder ob Rettungskräfte die Verletzten sofort bergen können. Er entschied sich für die Rettung.

770 Beamte fahnden vor Ort und in ihren Revieren nach dem Mann

Dann ging alles ganz schnell. Auf Plastikbahren brachten die Sanitäter die künstlich Verletzten ins Freie und simulierten Erste Hilfe. Täuschend echt wirkten die blutenden Wunden, Verbrennungen und freiliegenden Organe aus Schminke, Kunstblut und Modelliermasse. Die Unverletzten wurden aus dem Bahnhof geführt, psychologisch betreut und nach Hinweisen zum Attentäter befragt. Einige der Fahrgäste hatten den Mann nach dem Knall aus der Bahn zum Ausgang laufen sehen und konnten ihn genauer beschreiben.

Die Ermittlungen der Polizei liefen da schon auf Hochtouren. 770 Beamte fahndeten vor Ort und in ihren Revieren nach dem Mann, der bei der Übung die Rolle des Terroristen einnahm. Die Fahnder seien „mit hoher Konzentration bei der Arbeit“, um ihn schnell zu fassen, sagte Polizeipräsident Achim Thiel. Sie wussten im Voraus zwar von einer Übung in der U-Bahn, hatten aber keine genaueren Details und handelten wie nach einem echten Anschlag. Innerhalb weniger Stunden hatten sie den Terroristen gefasst.

Selbst die Statisten können einen Nutzen ziehen

Während ein schweres Flugzeugunglück bereits im Oktober 2010 am Frankfurter Flughafen simuliert worden war, hat es deutschlandweit in diesem Umfang noch keine Probe für einen Terroranschlag gegeben. „Diese Übung ist bisher einmalig in der Bundesrepublik“, sagte der Leiter des Polizei-Führungsstabes Michael Hallstein. Mehr als 1300 Menschen beteiligten sich an der Aktion, mit der die Organisatoren besonders die Zusammenarbeit von Polizeieinheiten, Feuerwehren, Verkehrsbetrieb und Hilfsorganisationen prüfen und auswerten wollen.

Selbst die Statisten konnten aus dem Großeinsatz einen Nutzen ziehen. „Man kann hier lernen, wie man sich im Ernstfall verhält“, sagte eine junge Frau, die als Schwerverletzte auf dem Fußboden lag und sich an die U-Bahntür lehnte. Eine Frankfurterin aus der freiwilligen Feuerwehr mit künstlichen Verbrennungen wollte „die andere Seite kennenlernen“ und sich als Opfer retten lassen. Ein Student war extra aus Gießen angereist und freute sich über die spannende Erfahrung. Kurz vor dem Knall sagte er, was wohl kein Opfer eines Terroranschlags behaupten würde: „Der Spaß ist die Hauptsache“.

dpa

Quelle: op-online.de

Kommentare