Ulrich Rasche setzt „Dantons Tod“ in Szene

Theater am Scheitelpunkt

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Marionetten am Draht: Das Frankfurter Ensemble spielt zudem auf schrägen Walzen.

Frankfurt - Regisseur Ulrich Rasche hat Georg Büchners Revolutionsdrama „Dantons Tod“ am Frankfurter Schauspiel eingerichtet. Die Figuren bewegen sich auf riesigen Walzen - ein gelungener szenischer Einfall. Von Stefan Michalzik 

Das ist richtig starkes Theater. Regisseur Ulrich Rasche lässt auf der Breitwandbühne des Frankfurter Schauspiels, die sich zu einem finsteren Schlund weitet, die Schauspieler von Georg Büchners figurenreichem Revolutionsdrama „Dantons Tod“ über zweieinviertel pausenlose Stunden lang auf gewaltigen, ohne Unterlass rotierenden Walzen fortschreiten - oder vielmehr auf der Stelle treten. Das ist nicht ein beliebig-spektakulärer Gag der Regie, es ist aus dem Text heraus entwickelt. „Puppen sind wir“, ruft Danton aus, „von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst!“

Was Rasche auf diesen drei seitlich in die Schräge gekippten Walzen inszeniert, ist in seinem Kern ein scharf konturiertes, musikalisiertes Sprechtheater. Ein starker Rhythmus prägt den Fluss der Szenen. In den ersten Szenen wird viel chorisch skandiert. Der mechanische Gesangsteppich eines Männertrios erinnert an den musikalischen Minimalismus von Philipp Glass, ebenso zwei am linken Bühnenrand postierte Celli. Für E-Gitarre und -Bass hat der Komponist Ari Benjamin Meyers Riffs nach Art des Postrock vorgesehen.

Theater auf dem Scheitelpunkt der Walze - aus der selbst auferlegten Beschränkung Ulrich Rasche enorme Wirkungen. Alles zwischen den in Reihen formierten Figuren muss sich über die Dialoge abspielen, kaum je nehmen sie unmittelbar Kontakt miteinander auf.

Männertrio sticht aus großartigem Ensemble heraus

Die Ensembleleistung ist großartig. Voran das zentrale Männertrio. Torben Kessler ist ein Danton von intellektuellem Gepräge. Der Revolutionsführer und Justizminister will die Mordmaschinerie aus Gründen der Humanität stoppen, derweil sein Gegner Robespierre sie um jeden Preis weitertreiben will. Der zu den stärksten Kräften in Frankfurt gehörende Nico Holonics spielt Robespierre mit manieriertem Gestus als einen barocken Fürsten der Revolution. Isaak Dentler gibt St. Just als nüchtern entschlossenen Vollstrecker des Mordens.

Eines der eindrücklichsten Bilder ist jenes, in dem Kessler als Danton mit nacktem Oberkörper am Boden liegend vorwärts robbt, gegen den unaufhaltsamen Strom der Maschinerie kämpfend. Im Gehrock, mit einer Haltung des soldatischen Stolzes schreitet Holonics als Robespierre unbeeindruckt neben ihm her. Als Danton sich erhebt, verändern sich sofort die Kräfteverhältnisse. Der gedrungene Robespierre wirkt wie ein Kleingeist neben der liberalen und offenen Gestalt Dantons.

Blut fließt kein Tropfen in diesem Drama um den Schrecken der in eine Flut von Hinrichtungen umgekippten Französischen Revolution. Ein wenig rotes Licht in den letzten Szenen, schließlich schweben die Figuren leblos hängend in der Höhe.

An starken Frauenfiguren fehlt es. Die Rollen sind klein, gerade da muss eine markante Präsenz sein. Statt dessen verliert sich beispielsweise Anna Böger als Julie ungut im Melodramatischen. Der Applaus am Premierenabend ist kräftig und einhellig. Ein fesselnder, intellektuell anregender Theaterabend.

Nächste Aufführungen am 30. März sowie am 2., 9., 10., 23., 27. und 29. April. Karten gibt es unter  069 21249494.

Theateraufführung „Barfuß im Park“

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Quelle: op-online.de

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