The Tiger Lillies im Frankfurter Palmengarten

Drogen, Suff und Hurerei

Frankfurt - Sie machen das nun schon lange. Genauer gesagt seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Ihr Terrain ist fest umrissen. Von Sebastian Hansen

Erstmals im größeren Stil auf sich aufmerksam gemacht hat das aus London stammende Trio The Tiger Lillies vor anderthalb Jahrzehnten mit „Shockheaded Peter“, seiner als „A Junk Opera“ deklarierten Musicalfassung des Struwwelpeters, die auch hierzulande ausgesprochen erfolgreich gewesen ist. Seitdem erfreuen sie sich einer erklecklichen Anhängerschaft. Mit den Jahren hat sich nichts ernstlich verändert an der charakteristischen Mischung aus Polka, Blues-Balladen und Gypsyswing.

Bei ihrem Konzert im Frankfurter Palmengarten sind sie gefeiert worden wie eh und je - der Veränderung braucht es mithin offenkundig auch nicht, um sein Publikum bei Laune zu halten. Zu Beginn der nächsten Spielzeit sollen The Tiger Lillies als Theatermusiker für eine Bühnenfassung von Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ am Frankfurter Schauspiel in Erscheinung treten. Das dürfte sich als Coup erweisen, weil sie etliche sonst theaterfremdelnde Zuschauer ziehen dürften.

Selbstverständlich weiß man bei dem Trio um den Falsettsänger und Songschreiber Martyn Jacques, zu dem noch Adrian Stout am körperlosen Bass und der Schlagzeuger Jonas Golland gehören, sehr genau, was einen erwartet. Man kann sich ausrechnen, wann nach einigen böse schillernden Balladen die nächste von der Polka geprägte Nummer an der Reihe ist Ungeachtet dessen sind sie nach wie vor strahlkräftig, diese Songs, die sich über ihr musikalisches Material erheben, etwa nach der gleichen Art wie beim französischen Chanson. Auch wenn The Tiger Lillies pittoreske Folklore vermeiden: Manche Songs funktionieren ganz unmittelbar als Laune machende Schunkel- und Tanzlieder.

Vom Palmengarten in die Therme - Frankfurts Oasen im Winter

Es geht um Drogen, Suff und Hurerei. Die Arrangements sind ausgesprochen kunstfertig, Martyn Jacques wechselt vom Akkordeon mitunter zum Flügel oder zu Gitarre und elektrifizierter Ukulele; Thereminstab und singende Säge gehören zum Geschäft von Adrian Stout. Der akzentuierte Vortrag ist die Show, das dynamische Differenzierungsvermögen von Martyn Jacques’ Falsettgesang beträchtlich. In den Liedern wird pointiert von den dunklen Seiten der menschlichen Existenz erzählt. Die Songs werden dabei wie im Theater in Szene gesetzt. Jedes einzelne Wort zählt. Dem Augenschein nach lässt sich das ewig so fortführen.

Quelle: op-online.de

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