Mehr Sicherheit - trotzdem Attacken

Pöbeleien in Jobcentern nehmen zu

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Eine Polizistin hatte bei einem Streit in dem Jobcenter im Mai 2011 eine Frau niedergeschossen und tödlich verletzt.

Frankfurt/Oberursel/Darmstadt - Nach der tödlichen Attacke in einem Neusser Jobcenter denken viele an Frankfurt: Dort wurde im Mai 2011 eine Hartz-IV-Empfängerin in einem Jobcenter erschossen. Sie hatte zuvor einen Polizisten angegriffen. Und nach einer Studie nehmen die Pöbeleien zu.

Längst ist die Außenstelle des Frankfurter Jobcenters geschlossen, in dem eine randalierende Hartz-IV-Empfängerin vor fast eineinhalb Jahren von einer Polizistin erschossen wurde. „Die Räumlichkeiten dieser Außenstelle waren nicht optimal“, sagte der Sprecher der Arbeitsagentur, Steffen Römhild, heute in Frankfurt. Einen ähnlichen Fall habe es seither nicht mehr gegeben. „Die Tat war die absolute Ausnahme.“

Aber sie kommt wieder in Erinnerung: Denn in einem Neusser Jobcenter hat am Mittwoch ein arbeitsloser 52-Jähriger eine Mitarbeiterin erstochen. Neuss und Frankfurt sind aber keine Einzelfälle: Wegen einer Messerattacke auf zwei Beschäftigte des Ordnungsamtes in Oberursel steht derzeit ein 51-Jähriger vor dem Frankfurter Landgericht. Und nach einer Studie der Hochschule Darmstadt haben Behörden zunehmend mit pöbelnden Kunden zu kämpfen.

Sicherheitskonzept der Behörde wurde überprüft

Die Frankfurter Außenstelle des Jobcenters für Wohnsitzlose wurde inzwischen mit der Außenstelle für Menschen mit Drogenproblemen in einem neuen Gebäude zusammengelegt. Das Sicherheitskonzept der Behörde insgesamt wurde überprüft und den Mitarbeitern therapeutische Unterstützung angeboten, sagte Römhild. In den Gebäuden wurde überprüft, ob Fluchtwege und Verbindungstüren zwischen den Büros frei sind. Außerdem wurden die Küchen mit Türen ausgestattet, die nicht jedem den Zutritt und damit den Griff zu einem Messer ermöglichen.

Computer verfügten über einen Alarmknopf

Gegenstände, die aus Sicherheitsgründen nicht auf den Schreibtischen liegen sollten, wurden aufgelistet. Alle Computer verfügten über einen Alarmknopf, es gebe Sicherheitspersonal und die Kollegen seien sensibilisiert, wenn es in einem Büro mal laut werde, hieß es. Deeskalations- und Sicherheitsschulungen biete das Jobcenter seinen Beschäftigten bereits seit 2005. Wenn Besucher ausfallend werden, würden - nach strengen Kriterien - Hausverbote erteilt. Wie viele, wollte Römhild nicht sagen.

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In ganz seltenen und hartnäckigen Fällen, etwa wenn ein Kunde partout nicht gehen will, werde die Polizei alarmiert. „Ich will davor warnen, Hartz-IV-Empfänger prinzipiell als gewaltbereite Menschen zu stigmatisieren“, sagte die Sprecherin der Regionaldirektion Hessen, Angela Köth, in Frankfurt. „Wir sind prinzipiell ein offenes Haus und müssen ein Vertrauensverhältnis zu unseren Kunden herstellen.“ Ein Angriff wie in Neuss sei äußerst selten.

dpa

Quelle: op-online.de

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