Tödliche Polizeischüsse: Umstände weiter ungeklärt

Frankfurt - Der tödliche Polizeieinsatz, bei dem vor rund eineinhalb Jahren ein 28-Jähriger vor einem Frankfurter Krankenhaus erschossen wurde, ist noch immer nicht ganz aufgeklärt. „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagte Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu.

Einzelheiten nannte sie nicht. Zwei Frankfurter Zeitungen berichteten heute über zahlreiche Ungereimtheiten in dem Fall. Die Grünen im hessischen Landtag forderten Innenminister Boris Rhein (CDU) auf, in der nächsten Sitzung des Innenausschusses am 11. August über den Stand der Ermittlungen zu informieren. Unklar ist den Berichten zufolge bislang, warum das Messer mit der 65 Millimeter langen Klinge, das der 28 Jahre alte Angreifer bei sich hatte, an einer Stelle gefunden wurde, an der er nie stand. Verschwunden seien zudem Beinschienen, die der Getötete getragen haben soll.

Außerdem gibt es den Zeitungsberichten zufolge Hinweise darauf, dass einer der Polizisten nach den Schüssen mit einem Schlagstock auf den am Boden Liegenden einschlug. Eine Stirnverletzung lege den Verdacht nahe, dass ein Polizist dem 28-Jährigen auf den Kopf getreten habe. Der psychisch kranke Jurastudent soll am frühen Morgen des 26. Januar 2010 zum Bürgerhospital gegangen sein, nachdem er mehrere Fläschchen ätherischer Öle zu sich genommen haben soll. Möglicherweise weil er nicht direkt zur Behandlung eingelassen wurde, soll er seine 35 Jahre Begleiterin, bei der er zu Besuch war, vor den Augen des Pförtners mit dem Messer bedroht haben.

Als ein Streifenwagen eintraf, soll er in bedrohlicher Haltung auf die drei Beamten los gegangen seien. Drei Schüsse trafen den Mann - je einer in jedes Bein, der dritte ging durch die Leber und war tödlich. „Gerade wenn ein Mensch durch die Anwendung polizeilicher Maßnahmen stirbt, muss besonders akribisch untersucht werden, wie es dazu kam und ob der Einsatz der Schusswaffe gerechtfertigt war“, heißt es in der Mitteilung des innenpolitischen Sprechers von Bündnis90/Die Grünen, Jürgen Frömmrich.

dpa

Quelle: op-online.de

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