Aber starkes Stadt-Land-Gefälle

Tourismus in Hessen mit Rekordwerten

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Selfie-Grüße nach Fernost: Zwei Touristen auf dem Maintower in Frankfurt.

Wiesbaden - Mit einem erneuten Plus bei Gästezahlen und Übernachtungen hat der Tourismus in Hessen 2015 Rekordwerte erzielt. Hotels, Pensionen und Campingplätze registrierten 32,2 Millionen Übernachtungen, wie das Statistische Landesamt in Wiesbaden mitteilte.

Selfie-Grüße nach Fernost: Zwei Touristen auf dem Maintower in Frankfurt.

Der Zuwachs in Höhe von 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hievte diese Zahl auf den höchsten Wert, der jemals erfasst wurde. Insgesamt kamen 14,3 Millionen Gäste ins Land, 4,5 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. In die Statistik fließen die Zahlen aller Beherbergungsbetriebe mit ein, die zehn oder mehr Betten beziehungsweise Campingstellplätze haben. Im vergangenen Jahr kamen gut 10,6 Millionen Gäste aus Deutschland (plus 3,3 Prozent im Vergleich zu 2014) und 3,7 Millionen aus dem Ausland (plus 7,8 Prozent). Von den guten Zahlen profitieren die Regionen und Betriebe allerdings sehr unterschiedlich. „Manche Destination liegt zu weit vom Speckgürtel der großen Städte entfernt“, sagte der Geschäftsführer des Branchenverbandes des Gastgewerbes Dehoga, Julius Wagner. „Das Gasthaussterben auf dem Land schreitet trotz allem voran.“

Maßgeblich für die steigenden Zahlen seien unter anderem Geschäftsreisende, die in der Statistik nicht gesondert ausgewiesen werden. „Es gibt ein starkes Gefälle von der Stadt zum Land und von der großen Hotellerie zum kleinen Gastgewerbe“, erklärte Wagner. Abseits der Ballungszentren schafften es allerdings auch Regionen, mit attraktiven Urlaubsmöglichkeiten viele Besucher anzulocken. Dazu zählt Wagner neben Willingen in Nordhessen etwa den vorderen Taunus und den Rheingau. Nachholbedarf hätten dagegen besonders der Vogelsbergkreis, der Werra-Meißner-Kreis und die Wetterau. „Und beim Odenwald, da sehe ich sehr viel ungenutztes Potenzial“, sagte Wagner.

Laut Hessen-Tourismus ist Frankfurt den Übernachtungszahlen zufolge das wichtigste Ziel im Land. Es folgen Bad Wildungen, Wiesbaden, Willingen und Kassel. In der größten hessischen Stadt locken Römerberg und das Museumsufer. Die Mehrzahl der Gäste kommt geschäftlich in die Stadt - als Messe- oder Kongressbesucher. Insgesamt rund 8,7 Millionen Übernachtungen gab es im vergangenen Jahr, fast acht Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl der Gäste stieg um 6,6 Prozent auf 5,1 Millionen.

Plantschen in Hessens größtem See, Campen, Motorrad fahren oder Erholen im Heilbäderzentrum - Bad Wildungen mit Europas größtem Kurpark und dem Barockschloss sowie der nahegelegene Edersee locken jeden Sommer viele Touristen an. Und wenn der Edersee-Pegel tief genug sinkt, taucht das Edersee-Atlantis auf: Ruinen, die sonst unter der Oberfläche liegen. Dann kann eine Brücke trockenen Fußes überquert werden, die vor einem Jahrhundert in den Fluten des Stausees versank.

Von Affennase bis Zebrapo: "Selfies" aus der Serengeti

Die Landeshauptstadt Wiesbaden verbuchte im vergangenen Jahr knapp 1,2 Millionen Übernachtungen, ein Plus von 3,5 Prozent im Vergleich zu 2014. Die Kurstadt lockt Besucher mit Thermalbädern, Jugendstil-Vierteln oder schicken Einkaufsstraßen. Auch zu den Maifestspielen des Staatstheaters und zum jährlichen großen Weinfest kommen viele Gäste angereist.

Eine Party der anderen Art steigt regelmäßig in Nordhessen: Wenn der Skisprung-Zirkus in Willingen Station macht, kommen Zehntausende zum Feiern und Anfeuern in das sonst beschauliche Städtchen. Doch auch abseits der Weitenjäger wird das Gebiet von Skifahrern genutzt. Gerade aus Norddeutschland oder den Niederlanden ist es in wenigen Stunden erreichbar. Im Sommer locken das Bike Festival oder die Alphornmesse Touristen an.

Die Museen, Schlösser und Parks der Museumslandschaft Hessen Kassel haben 2015 rund 1,2 Millionen Menschen angelockt. Besuchermagnet war das Unesco-Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe. Auch die Grimmwelt ist attraktiv: Vom Architekturmagazin „German Architects“ wurde sie zum „Bau des Jahres 2015“ und von der britischen Tageszeitung „The Guardian“ zu einem der zehn besten neuen Museen der Welt gekürt. dpa

Quelle: op-online.de

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