Träume erlaubt, aber Beratung ist wichtig

Frankfurt/Rhein-Main - Mit Ratgebern über den richtigen Radkauf lassen sich Bibliotheken füllen. Joachim Eckstaedt, Radfachmann der „Bikeschmiede 262“ in Offenbach, hat ein paar eherne Grundsätze parat.

Billigräder sollte man links liegen lassen. Bei denen, so Eckstaedt, sei der Hauptnachteil jenseits des oft „katastrophalen Materials“ die Haftungsfrage. „Oft sind die Räder nicht endmontiert. Die Verkaufsbedingungen schreiben aber eine Endmontage durch Fachwerkstätten vor“, so Eckstaedt. Das Problem beginne dann, „wenn Sie einen Unfall mit einem selbst zusammengeschraubten Rad haben, und sich die Haftungsfrage stellt. Dann kommen die Anwälte des Verkäufers und fragen nach dem Nachweis des fachmännischen Zusammenbaus.“ Der Vorteil des Fach-Einzelhandels sei eben, dass der Kunde immer einen Ansprechpartner bei Beschwerden habe.

EinQualitätsradsei nicht unter 400 Euro zu bekommen. Wer ein einfaches Straßenrad mit Schaltung suche, müsse zwischen 400 und 600 Euro anlegen, so Eckstaedt. Für den ambitionierten Hobbyradler und Vielfahrer im Alltag reichten „Drahtesel“ im Bereich zwischen 500 und 900 Euro. Wer das Rad als Sportgerät sehe und mit hohen Belastungen kalkuliere, sollte nicht unter 900 Euro ausgeben.

Orientierungshilfe beim Kauf bieten auch die verschiedenen Qualitätsstufen. Davon gibt es bei Shimano sieben für alle wichtigen Teile von der Schaltung über Kurbel- und Innenlager bis zur Nabe und den Bremsen. Gelegenheitsfahrer kommen mit den preisgünstigen Acera-, Altus- oder Alivio-Gruppen klar. „Deore, LX oder SLX mache den Vielfahrer froh, „XT“ sei etwas für Berufsfahrer wie Radkuriere oder leistungsbewusste Hobbysportler. Mit den extrem teuren gewichtoptimierten XTR-Bauteilen wird dann in den Sportvereinen bis in den Profibereich hinein gestrampelt. Eckstaedt rät Fahrradkäufern, im Zweifel mehr Geld in den Rahmen als in die Schaltung zu stecken: „Es ist der Rahmen, der fährt. Je besser er ist, desto weniger Tret-Energie schluckt er.“

Die Hitliste der Bremsen führt die wartungsarme und effektive Hydraulik-Scheibenbremse an, gefolgt von der Seilzug-Scheibenbremse. Auf Platz drei steht die Hydraulik-Felgenbremse, auf Rang vier die V-Brake. Generell sollten sich Mann und Frau vor dem Gang in den Laden klar darüber werden, was sie mit dem Rad machen und wie viel Geld sie ausgeben wollen. „Sie dürfen ruhig Ihre Träume haben, aber seien Sie nicht beratungsresistent“, bittet Eckstaedt.

Dem Prinzip der „Eierlegenden Wollmilchsau“ am nächsten kommt der „Trekking Crosser“, der sich zum Alltagsradeln ebenso eignet wie zum Radwandern oder für den leichteren Einsatz als Mountainbike. Passende Zusatzausrüstung wie Lichtanlage, Gepäckträger, Schutzblech und ähnliches lassen sich hier am besten einpassen. Für 400 bis 1500 Euro ist man dabei. Auch das Trekking-Rad bietet eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten. Unbedingt wichtig: Im Laden die richtige Rahmengröße ermitteln lassen. Hände weg von vollgefederten Rädern, so genannten „Fullys“ unter 1500 Euro. „Die sind extrem schwer, fahren sich wabbelig, kosten viel Kraft und sind ergonomisch schlecht.“

Viele Kunden sparen an der Zusatzausrüstung- und mindern so den Spaßfaktor. Häufige Fehler hier: Zu weiche Sättel, Verzicht auf Radschuhe zu Gunsten von weichen Turnschuhen, die den Fuß belasten und Kraft kosten. Multifunktionslenker sind zwar schön, werden aber oft senkrecht und damit falsch eingestellt. „Die sollten schräg nach vorne weisen, sonst kann man sich bei einem Sturz beide Unterarme brechen“, warnt Eckstaedt. Nicht vergessen bei der Preiskalkulation: das Schloss. Faustregel: Investieren Sie zehn Prozent des Radpreises oder parken Sie neben einem teureren Fahrrad.

Quelle: op-online.de

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