Trend zu Car-Sharing gewinnt an Fahrt

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Fünf Euro für 15 Kilometer zahlt der Car-Sharer im Schnitt. Bernd Zeberl „zieht“ sich hier gerade am Automaten seinen fahrbaren Untersatz.

Rhein-Main - Als Carsharer meldet man sich zunächst beim städtischen Anbieter an. Dann steht einem das komplette Fahrzeug angebot zur Verfügung. Bei vielen Anbietern muss eine Stunde vor Fahrtbeginn online oder per Telefon reserviert werden. Von Valentin Frimmer

Die Autos werden an bestimmten Parkplätzen abgeholt und wieder abgestellt. Oft lassen sich die Autos mit einer Chipkarte öffnen oder der Schlüssel befindet sich in einem Tresor vor Ort. Meist muss das Auto für mindestens eine Stunde gebucht werden. 15 Kilometer Fahrt kosten im Durchschnitt fünf Euro.

Auf dem Land ist Carsharing kaum verbreitet. In Hessen gibt es noch kein flächendeckendes Netz von Stationen. Hochburgen sind die größeren Städte, besonders Frankfurt, Wiesbaden und Kassel. Insgesamt gibt es laut Bundesverband Carsharing in 18 hessischen Städten kommerzielle Anbieter. Von der Statistik unerfasst bleiben die vielen privaten Absprachen und Nachbarschaftsinitiativen. Oft schließen sich einige Familien zusammen und teilen sich ein Auto.

Abstecher in die Tennishalle

Zum Einkaufen, einen Abstecher in die Tennishalle oder Wochenendausflüge in die nähere Umgebung sei Carsharing optimal, sagt Zeberl. „Für einen zweiwöchigen Urlaub nehme ich aber einen Mietwagen, das ist billiger“. Als Zeberl 1999 das erste Mal Carsharing in Anspruch nahm, gab es nach Angaben des Bundesverbands Carsharing einige zehntausend Nutzer in Deutschland. Mittlerweile sind es, zählt man die Angaben verschiedener Verbände zusammen, über 400.000 - Tendenz steigend.

Nach Angaben des Bundesverbands stiegen die Nutzerzahlen allein im Jahr 2011 um mehr als 15 Prozent und sollen weiter steigen. Laut Bundesverband ist Hessen beim Carsharing deutschlandweit unter den vier Spitzenreitern.

Der Marktanalysedienstleister Frost&Sullivan erwartet in den kommenden vier Jahren eine Verzehnfachung der Nutzerzahlen. Momentan beteiligen sich allein bei den Unternehmen, die im Bundesverband organisiert sind, rund 220 000 Fahrer an Carsharing-Initiativen. Der größte Einzelanbieter, die Deutsche Bahn, kommt nach eigenen Angaben auf 190 000 Mitglieder bundesweit.

Der Trend weg vom eigenen Auto werde weiter wachsen, glaubt Tobias Schäfers vom Automotive Institute for Management (AIM) in Wiesbaden. Denn bei steigenden Benzinpreisen und chronischer Parkplatznot böte Carsharing eine optimale Ergänzung zu den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Dichteste Netz hat die Deutsche Bahn

Das dichteste Netz an Fahrzeugen hat nach eigenen Angaben der von der Deutschen Bahn betriebene Flinkster. An den meisten hessischen Bahnhöfen mit ICE-Anbindung stehen bis zu zehn Autos zur Verfügung. In Frankfurt ist Flinkster mit 160 Autos vertreten.

Der Anbieter book-n-drive bietet mehr als 140 Wagen an. Mittelfristig soll die Zahl der Fahrzeuge sogar auf 800 steigen, sagte Kim Herschmann von der Stadt Frankfurt, die an book-n-drive in Frankfurt beteiligt ist. Im gesamten Rhein-Main-Gebiet hat book-n-drive fast 10 000 Nutzer. Der Anbieter Stadtmobil Rhein-Main wollte keine Angaben über sein Angebot machen.

In Darmstadt steht Carsharing sogar auf der politischen Agenda. „Wir halten Carsharing für sinnvoll. Die Förderung ist festgehalten im Koalitionsvertrag von Grünen und CDU“, sagte die Sprecherin der Stadt Sigrid Dreiseitel. Kassel stellt dem Anbieter book-n-drive für seine 52 Fahrzeuge Parkplätze zur Verfügung. 1600 Kunden nutzen Carsharing in Wiesbaden.

Laut AIM können sich mehr als die Hälfte der Deutschen vorstellen, zugunsten von Carsharing aufs eigene Auto zu verzichten. „Wir sehen, dass sich der Markt stark entwickelt. Der Trend geht dazu, Dinge wie zum Beispiel Autos nicht mehr zu kaufen, sondern lediglich Nutzungsrechte zu erwerben“, sagt Tobias Schäfers, der Leiter der AIM-Studie.

Bernd Zeberl ist überzeugt, dass Carsharing für ihn billiger ist als ein eigenes Auto, auch weil er so insgesamt weniger Kilometer fährt. „Ich gehe bewusster mit Mobilität um. Hätte ich ein eigenes Auto, würde ich aus Bequemlichkeit viel öfter mit dem Auto fahren“. Bernd Zeberl fährt stattdessen Fahrrad.

Quelle: op-online.de

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