Trickdiebe rauben Touristen aus

Frankfurt - Falsche Polizisten bringen in Frankfurt bei angeblichen Drogenkontrollen Touristen aus Asien um ihr Geld. Die Trickdiebe reisen aus Rumänien an, quartieren sich für einige Tage in billige Hotels ein und fahren mit der Beute wieder nach Hause.

Frankfurt wählen die Kriminellen nach Überzeugung der Ermittler absichtlich als Tatort, weil auf dem größten deutschen Flughafen viele Touristen aus Nah- und Fernost in die Stadt kommen. Eine bundesweite Anfrage bei den Landeskriminalämtern habe ergeben, dass der Drogenfahnder-Trick bislang ausschließlich in Frankfurt aufgefallen ist, berichtet Kommissariatsleiter Udo W. Lünzer.

Trotz eines Rückgangs bei den Touristen aus Übersee im Jahr 2009 sei Frankfurt noch immer die Großstadt mit dem höchsten Anteil an Übernachtungen von Ausländern, heißt es in der Statistik der Tourismus+Congress GmbH der Stadt. Rund 352.300 Gäste aus Asien wurden im Vorjahr gezählt. Frankfurt habe zudem nach München die meisten arabischen Touristen, sagt der Geschäftsführer Thomas Feda.

Dunkelziffer ist möglicherweise sehr hoch

Seit Spätsommer vergangenen Jahres seien 56 Trickdiebstähle von falschen Polizisten in Zivil angezeigt worden, sagt Lünzer. Die Schadenssumme beziffert er auf insgesamt etwa 42.000 Euro. „Die Dunkelziffer ist aber möglicherweise sehr hoch.“ Ob Opfer dieser Masche zur Polizei gingen, hänge unter anderem von der Höhe der Beute und ihrem Zeitplan ab. 1,67 Tage bleiben asiatische Touristen der Statistik zufolge im Schnitt in Frankfurt.

Die Trickdiebe sind nach Erkenntnissen der Polizei meist zu dritt unterwegs und gehen immer nach der gleichen Masche vor. Einer spricht eine kleine Gruppe von Touristen an und gibt sich dabei auch als Reisender aus. Er hält den Angesprochenen entweder eine Kamera oder einen Stadtplan hin und bittet um ein Foto oder Hilfe bei der Suche nach einer Sehenswürdigkeit.

„Sie nehmen nur Bargeld, keine Kredit- und EC-Karten“

In dem Moment kommen die Komplizen, geben sich auf Englisch als Zivilfahnder der Polizei aus, die an dem angeblich gefährlichen Platz eine Drogenkontrolle machen. Dafür müssten sie nicht nur die Ausweise der Touristen sehen, sondern auch deren Geldbeutel. Um ihre angebliche Identität zu belegen, zeigen sie schnell ein Mäppchen vor, auf dem oft „Police“ klebt. Der Täter, der die Gruppe gerade als Tourist angesprochen hat, zeigt als erster Ausweis und Geldbeutel breitwillig her. Die echten Touristen tun es ihm nach und kriegen ihre Portemonnaies geleert zurück. „Sie nehmen aber häufig nicht das ganze Geld raus“, sagt Lünzer.

Durchschnittlich 500 bis 700 Euro klauen die Trick- und Taschendiebe den Angaben zufolge pro Tourist, manchmal sind es aber auch mehr als 1000 Euro. „Sie nehmen nur Bargeld, keine Kredit- und EC-Karten“, berichtet Lünzer. Die Tatorte sind immer außerhalb videoüberwachter Zonen, oft zwischen großen Hotels in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die Täter sind in der Regel Männer im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, locker gekleidet und gehören nach den bisherigen Ermittlungen unterschiedlichen Gruppen an.

„Wir kontrollieren selten Asiaten“

„Die Täter wählen Opfer, die sehr schnell als Touristen zu erkennen sind“, sagt Lünzer und nennt Japaner, Koreaner, Chinesen, Iraker, Ägypter, Inder und Pakistani als Beispiele. „Die Opfer gelten als obrigkeitshörig und die Täter sind sicher, dass das keine Lockvögel der Polizei sind“, ergänzt Polizeisprecher Karlheinz Wagner. Die Opfer bemerkten wiederum nicht so schnell, dass der vermeintliche Polizist kein Frankfurter, sondern ein meist schlecht Englisch sprechender Osteuropäer sei.

Mit in Hotels verteilten Flugblättern in acht Sprachen versucht die Polizei potenzielle Opfer der Trickdiebe zu erreichen. „Seien Sie misstrauisch bei Ausweiskontrollen“ heißt es darin etwa. Deutsche Polizisten zeigten stets ihren grünen Ausweis mit Foto und Dienstnummer vor. Und Lünzer ergänzt: „Wir überprüfen grundsätzlich kein Bargeld und kontrollieren selten Asiaten, schon gar nicht wegen Drogen.“

dpa

Quelle: op-online.de

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