Tropenvirus schuld an rätselhaftem Amselsterben?

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Ist der Tropenvirus Usutu schuld am rätselhaften Amselsterben in Süddeutschland?

Hamburg - Das Amselsterben mit Tausenden von toten Tieren ist wahrscheinlich durch das auch für Menschen gefährliche Usutu-Virus verursacht worden. Wissenschaftler haben jetzt ein tropisches Virus in mehreren Organen einer toten Amsel aus Hessen nachgewiesen.

Hamburger Wissenschaftler des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) haben in den Organen einer toten Amsel aus dem hessischen Birkenau das gefährliche tropische Usutu-Virus nachgewiesen. Bereits seit etwa zwei Monaten beschäftigt die Vogelexperten des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) ein rätselhaftes Amselsterben mit Tausenden von toten Tieren - vor allem in Hessen. Auch Vogelschützer in Rheinland-Pfalz hatten von dezimierten Amsel-Populationen berichtet.

Es bleibe jedoch noch zu beweisen, ob das durch Stechmücken übertragene Usutu-Virus für ein „Massensterben“ unter den Amseln im süddeutschen Raum verantwortlich ist, teilte das BNI heute in Hamburg mit. „Der Befund ist zwar alarmierend, da Usutu-Viren auch den Menschen infizieren können, jedoch sind in Deutschland bisher keine Infektionen von Menschen diagnostiziert worden“, sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom BNI.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) Baden-Württemberg hatte vor einigen Wochen bereits über tote Amseln berichtet, die im Labor untersucht würden.

Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge

Afrikanische Usutu-Viren wurden bereits 2010 in deutschen Stechmücken gefunden und können auf den Menschen übertragen werden. Bislang seien jedoch in Deutschland keine Infektionen beim Menschen festgestellt worden, hieß es. Die Infektion gehe mit Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlägen einher, und könne im schlimmsten Fall eine Gehirnentzündung auslösen. Schwere Verläufe seien bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem und älteren Menschen beobachtet worden.

Anfang September hatte der NABU Baden-Württemberg gemeldet, dass vor allem aus dem Rhein-Neckar-Raum besorgte Anrufer auf das Verschwinden von Amseln hinwiesen. Zwar sei es normal, dass im August weniger Amseln zu sehen und zu hören seien, doch könne eine Infektionskrankheit unter den Vögeln nicht ausgeschlossen werden.

Der NABU hatte gemahnt, die Tiere nicht zu füttern oder Wasser für sie bereit zu stellen. Laut BNI sind die Amseln in einigen Gebieten fast vollständig verschwunden und Tausende Vögel gestorben.

dpa

Quelle: op-online.de

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