Trucker und ihre Bräute

Gründau - Er sei nicht so der Theoretiker, erzählt Marco Abraham, lächelt und kratzt sich an der Stirn. Dabei verrutscht seine Baseball-Kappe mit der Aufschrift „Trucker“ ein Stück nach oben. +++Video+++ Von Kathrin Rosendorff

Gerade hat der Rödermärker Brummifahrer den theoretischen Teil hinter sich gebracht. Er musste berechnen, wie viele Gurte man bei einem bestimmten Ladegewicht braucht. Viel Physik. Nicht so sein Ding. Aber auch andere quälen sich durch die Physikaufgabe.

Aus Abrahams hinterer Jeanstasche ragt ein Marlboro-Päckchen. Zeit für eine Zigarettenpause ist jetzt aber nicht. Denn gleich geht es weiter – mit der Rangier-Prüfung. Langsam steigt er die Stufen hoch. Hier oben im LKW fühlt er sich zuhause.

Der 34-Jährige ist seit 14 Jahren als LKW-Fahrer auf den Straßen unterwegs, doch an diesem Nachmittag kämpft er auf dem ADAC-Gelände in Gründau gegen 19 Konkurrenten um den Titel „Hessens sicherster Brummifahrer.“

In der Vorrunde hat er es unter die Top Ten von 30 südhessischen Fahrern geschafft. Zehn andere haben sich aus Nordhessen qualifiziert. Zum dritten Mal gibt es diese Veranstaltung.

Wo besteht Nachholbedarf?

Acht Teststationen – vom Rangieren über das richtige Beladen bis zur Ecofahrt – müssen die LKW-Fahrer durchlaufen“, sagt Cornelius Blanke, Leiter der Unternehmungskommunikation des ADAC Hessen-Thüringen, der diesen Wettbewerb ausrichtet. „Es geht uns darum, dass die LKW-Fahrer bei den Übungen erkennen sollen, was sie gut können und bei welchen Aufgaben, die vielleicht nicht alltäglich sind, sie noch Nachholbedarf haben“, betont Blanke.

Aber nicht nur sicherer sollen die LKW-Fahrer auf den Straßen unterwegs sein. Auch die Autofahrer sollten doch endlich aufhören über die Brummis zu fluchen und zu hupen, nur weil ihnen der LKW vor ihnen zu langsam erscheint. „Elefantenrennen ist noch einer der harmlosen Begriffe“, erzählt Blanke. „Der Wettbewerb soll ihnen die Anerkennung geben, die sie im Alltag nicht bekommen und ihr Image nach außen verbessern.“

In der Zwischenzeit hat Abraham es unter 30 Zentimeter geschafft. Beim Rangieren. In dieser Entfernung parkt er vor der aufgestellten Matratzenwand –  ohne sie zu berühren. 90 von 100 Punkten gehen auf sein Konto. Auch er wünscht sich mehr Anerkennung von den Autofahrern. „Ich finde, beim PKW-Führerschein sollte es Teil der Prüfung sein, einmal im LKW mitzufahren, um das Fahrgefühl bei mehreren Tonnen Anhang zu bekommen. Das ist ja nicht eine leichte Sporttasche, die da bei uns hinten drin liegt“, sagt Abraham. „Da kann man mal nicht eben so schnell abbremsen.“

Viele Frauen in Lederjäckchen

Nebenan probiert sich ein Kollege an einer besonderen Brems- und Ausweichübung. Mit einem Sprinter fährt er los, gibt Gas und bremst dann heftig auf einer nassen Dynamikplatte, die sich dreht. Er muss den aus den Boden schießenden Wasserfontänen ausweichen. Doch er fährt mittendurch. Keine Punkte.

Auf dem Gelände tummeln sich aber nicht nur Brummifahrer, sondern auch ihre Frauen, viele in Lederjäckchen. Während des Wettbewerbs drücken sie Daumen drücken und in den Pausen halten sie mit den Liebsten Händchen. So auch Steffi Bauer, Marc Abrahams Freundin. Aber nicht nur hier ist sie dabei. „Ich arbeite im Schichtdienst, und so oft ich kann, begleite ich meinen Freund und fahre mit ihm. Gemeinsam Zeit miteinander zu verbringen, ist uns wichtig. Und bei welchem anderen Job, kann man seinen Partner sonst begleiten?“, sagt sie und grinst.

Am Ende reicht es trotz aller weiblicher Unterstützung nicht für Abraham. Peter Scherer (44) aus Gelnhausen punktet mehr und gewinnt deshalb den Titel „Hessen sicherster Brummifahrer 2009“.

Quelle: op-online.de

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