Trügerische Ruhe

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Flugverkehr ist mit Lärmbelastung verbunden. Doch wie hoch ist der Lärm um den Flughafen, wenn keine Maschine startet oder landet? Die Antwort weiß nun der Fluglärmdienst.

Frankfurt ‐ Der Frankfurter Flughafen belastet die Region bis in eine Entfernung von 30 Kilometern mehr als andere Quellen mit niederfrequentem Lärm, der als belastender gilt und schwerer zu dämmen ist als normaler Krach. Von Michael Eschenauer

Diese Erkenntnis zieht der Deutsche Fluglärmdienst e.V. (DFLD) aus Messergebnissen, die die Initiative während des vergangenen, weitestgehend flugfreien Wochenendes aufgezeichnet hat. „Bisher konnten wir nie herausfinden, wie hoch eigentlich der flughafenunabhängige Grundlärm - zum Beispiel Verkehr oder auch Vogelgezwitscher - in der Region ist. Dies war uns in der Zeit von Freitag vergangener Woche bis Sonntag erstmals möglich“, berichtete Horst Weise von Fluglärm e.V. Dadurch, dass man die an normalen Flugtagen üblichen Lärmwerte mit jenen verglich, die an den Tagen ohne Flugbewegungen auftraten, sei es möglich gewesen, den Beitrag des Flughafens zum Gesamtlärm exakt zu berechnen.

Die Aufzeichnung des niederfrequenten Lärms wird von einer Messstation in Flughafennähe vorgenommen. „Wir berücksichtigten dabei auch Frequenzbereiche, die normalerweise bei der Bewertung der Belastung und auch bei der Fixierung von gesetzlichen Grenzwerten nicht berücksichtigt werden, weil die Töne angeblich vom Menschen nicht oder kaum noch wahrgenommen werden können“, sagte Weise, der als Diplominformatiker im Bereich Messgeräte arbeitet.

Die Analyse des Deutschen Fluglärmdienstes arbeitet mit dem so genannten Dezibel/C (dBC)-Wert. Im Unterschied zu dem allgemein bekannten dBA-Wert wird beim dBC-Wert in den Bereichen von beispielsweise 100 oder 20 Hertz davon ausgegangen, dass das menschliche Ohr deutlich mehr wahrnimmt. So rechnet der dBA-Wert bis zu 50 Prozent der gemessenen niederfrequenten Töne heraus. Beim dBC-Wert fallen maximal 5 Prozent unter den Tisch.

Insgesamt betreibt der DFLD mehr als 300 Fluglärm-Messstationen in 17 Regionen in Deutschland. Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite.

An der Messstation in Flughafennähe, die lediglich den Lärm aufzeichnete, den der Airport durch seinen Bodenverkehr - zum Beispiel durch laufende Düsen oder Zugmaschinen - produziert, zeichneten die Aktiven folgende Werte auf: Beim dBA-Wert, der die niederfrequenten Bereiche stärker herausrechnet, fiel die Gesamtbelastung in den Tagen ohne Flugbewegungen von 54,6 auf 49,6 dBA. Fallen die Bassbereiche - wie bei der dBA-Berechnung - allerdings nicht unter den Tisch, sinkt die Belastung viel stärker: nämlich von 68,4 auf 58,4 dBC. „Damit haben wir den Nachweis, so Weise, dass die Belastung mit niederfrequenten Lärm überproportional stark sinkt, wenn der Flughafen ruht. Oder im Umkehrschluss, dass der Bodenverkehr des Flughafen einen großen Anteil an diesem problematischen Lärm emittiert.“ Bass-Töne haben den Nachteil, dass sie sich über Entfernungen weit weniger reduzieren, als normale Töne. Hinzu kommt, dass Dämmungen weniger wirken und Resonanzen oder Schwingungen entstehen. Außerdem werden Bass-Töne vom Menschen als extrem störend wahrgenommen. Außerdem, so Weise, gibt es für niederfrequenten Töne keine gesetzlichen Grenzwerte.

Die Gesamtlärmbelastung inklusive des Flugverkehrs ging während der flugfreien Tage erwartungsgemäß an den meisten der insgesamt 72 Messstationen des im Jahr 2002 gegründeten Vereins zurück. In Oberrad verminderte sie sich im Tagesschnitt von 56,6 auf 46,4 Dezibel/A, in Sachsenhausen von 58,8 auf 48,2 Dezibel/A und in Raunheim von 65,1 auf 50,9 Dezibel/A.

Weise sieht sehr gute Chancen für eine Verminderung der Fluglärmbelastung durch häufigere Anwendung des schnelleren Sinkflugs der Maschinen beim Landen. Dadurch würden weniger Bodenbereiche mit niedriger Flughöhe passiert. Außerdem könnte nach seiner Einschätzung der Bereich, in dem die Flugzeuge niedriger als 10  000 Fuß fliegen müssen, verkleinert werden. Derzeit hat dieser Bereich einen Radius von 60 Kilometer rund um Frankfurt. Bei Flughäfen, die mit Frankfurt vergleichbar seien, liege er jedoch bei nur 40 Kilometer. Dies bedeute auch hier, dass weniger Bereiche durch lautstarke Niedrigflüge belastet würden.

Quelle: op-online.de

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