Auf Tuchfühlung mit „Meister Bockert“

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Kostenfaktor Biber: Der Natur tun die Nager gut - der leeren Landeskasse jedoch nicht.

Darmstadt - Der Biber ist in Hessen wieder auf dem Damm. Doch je weiter sich der Nager ausbreitet, desto näher rückt er auch den Menschen auf den Pelz. Wenn die emsigen Baumeister dann Gewässer überfluten oder Bäume fällen, kann es teuer werden.

„Wir haben in den letzten 50 bis 100 Jahren verlernt, mit dem Biber zu leben“, beklagt Jürgen Siek vom Regierungspräsidium Darmstadt. Siek ist Hessens Bibermanager. Sein Etat, der aus der Landeskasse kommt, beträgt jedes Jahr 25 000 Euro. Mit diesem Geld entschädigt Siek Menschen, bei denen die Nager gewütet haben.

„Bisher haben wir Glück gehabt, dass es nur zu wenigen Konflikten gekommen ist“, sagt Mark Harthun vom Naturschutzbund (NABU) Hessen. Die Schäden durch Biber würden aber zunehmen. Der Grund: Der Biber breitet sich in Hessen immer weiter aus. Laut dem aktuellen Biberbericht des Regierungspräsidiums Darmstadt waren im vergangenen Jahr rund 240 Tiere in Hessen zu Hause. Seit fünf Jahren steigt die Zahl der Nager um mehr als 20 Tiere pro Jahr. Am häufigsten anzutreffen ist Meister Bockert, so der Fabelname des Bibers, im Main-Kinzig-Kreis. Danach folgen die Landkreise Fulda und Wetterau.

Doch mit der Ausbreitung der bis zu 130 Zentimeter langen und 20 bis 30 Kilo schweren Tiere nimmt auch die Zahl der Schäden zu. Typisch sei zum Beispiel, dass die Tiere Obstbäume fällen, berichtet Bibermanager Siek. Für Betroffene solcher Biberschäden gebe es aus Kulanz in der Regel eine Ausgleichszahlung vom Land Hessen. „Das können 50 Euro sein oder auch 100.“

Doch nicht nur Privatpersonen werden von den Nagern heimgesucht, sondern auch Landwirte. Rainer Seimetz, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Main-Kinzig, berichtet von gelegentlichen Beschwerden der Bauern über Biberschäden. So sorgten die Baumeister mit ihren Dämmen mitunter dafür, dass landwirtschaftliche Flächen unter Wasser gesetzt werden.

Biber als Landschaftsgestalter

In extremen Fällen kauft Hessens Bibermanager Jürgen Siek den Bauern ihr unbrauchbares Land ab. Dadurch werden die Landwirte unnütze Flächen los und die Tiere haben ihre Ruhe. Dieses Vorgehen habe geholfen, eine „friedliche Koexistenz“ zu schaffen, sagt Bauernvertreter Rainer Seimetz.

Insgesamt habe das Land Hessen wegen der Tiere bisher zwischen 60 und 70 Hektar Land gekauft, berichtet Bibermanager Siek. Zum Vergleich: Der Frankfurter Zoo misst 11 Hektar. Grundstücke kaufen könne er aufgrund knapper Kassen mittlerweile aber nur noch in Einzelfällen, erklärt Siek. „Das Geld ist nicht grenzenlos verfügbar, es darf nicht rausgeschmissen werden.“

Trotz aller Kosten erinnert der Mitarbeiter vom Regierungspräsidium Darmstadt an den Nutzen des pelzigen Dammbauers. „Der Biber gestaltet einmalige Landschaften, in denen sich auch andere Tiere ansiedeln.“ Dazu zählten der Eisvogel und viele Fischarten. Auch Mark Harthun vom Naturschutzbund lobt den Biber als „natürlichen Baumeister, der den Flüssen den Raum schafft, den sie brauchen“. Dank der Tiere mit dem platten Schwanz würden die hessischen Flüsse kostenlos in einen natürlichen Zustand versetzt.

Große Angst vor Biberschäden sei zwar nicht angebracht, betont Naturschützer Harthun. Trotzdem müssten die Menschen sich darüber im Klaren sein, dass die Tiere gelegentlich Schäden verursachen. Das gelte umso mehr, wenn die Nager sich noch stärker ausbreiten würden. Harthun geht davon aus, „dass Hessen bald viele hundert Biber hat. Das wird immer schneller gehen.“

dpa

Quelle: op-online.de

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