Tückische Mitbringsel im Gepäck

+
Ein Fall für die Justiz: Eine getrocknete Landschildkröte.

Frankfurt - Das kleine Röhrchen mit einem Stück Schlangenhaut findet Uno auf Anhieb in einem der aufgereihten Koffer. Am Freitag war das nur eine Demonstration des Zolls am Frankfurter Flughafen.

Wenn der sechsjährige Labrador im Dienst ist, schafft er täglich bis zu 1000 Gepäckstücke, das sind vier voll besetzte Jumbos. In den Koffern sucht er nach illegalen Mitbringseln - lebenden oder toten geschützten Tieren oder Pflanzen. Die beiden Frankfurter Artenschutzspürhunde Uno und Amy sind auf 15 Geruchsgruppen trainiert - von Elfenbein bis Schildkrötenpanzer - und entdeckten bisher über 1000 Mal verbotene Mitbringsel.

Was Reisende alles im Gepäck haben, präsentierte der Zoll anhand einiger Beispiele: Ein präpariertes Gürteltier als Rassel, das Fell einer sambischen Wildkatze als Kniedecke, ein präparierter Elefantenfuß als Hocker. „Man macht sich keinen Begriff von der Fantasie in diesem Geschäft“, sagte Werner Gatzer, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. In den vergangenen drei Jahren seien in Deutschland 4000 Verstöße gegen das Washingtoner Artenschutzübereinkommen aufgedeckt und 320 000 Produkte sichergestellt worden.

Der weltweite Umsatz mit geschützten Arten werde auf jährlich rund 14 Milliarden Euro geschätzt, sagte Volker Homes, Artenschutzexperte der Umweltstiftung World Wide Fund for Nature (WWF). Damit sei der Handel mit geschützten Arten nach Drogen und Waffen das lukrativste illegale Geschäft. Europa sei einer der wichtigsten Verbrauchermärkte und der Frankfurter Flughafen eines der Einfallstore in die EU.

Das Geschäft lohne sich, weil immer noch Menschen Spaß daran haben, sich exotische Dinge ins Wohnzimmer zu stellen, sagte Staatssekretär Gatzer. „Solange es solche Abnehmer gibt, wird es auch Handel geben.“ Bei Verstößen drohen nach dem Bundesnaturschutzgesetz Bußgelder von bis zu 50 0000 Euro oder sogar Gefängnis bis zu fünf Jahren.

Allein im vergangenen Jahr beschlagnahmten die Zöllner am größten deutschen Flughafen 2700 lebende und 3800 tote Tiere bedrohter Arten. 173 Mal wurden die Zöllner im Gepäck von Reisenden fündig, per Post kamen knapp 600 Sendungen mit verbotenen Artikeln, im Frachtverkehr 65. Zoll und Artenschützer raten, auf Produkte aus Tieren oder Pflanzen ganz zu verzichten. Es gebe genug legale Souvenirs, die keine Art gefährdeten.

dpa

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare