Doch noch Chance für Islamunterricht

Wiesbaden (db) - Nach langer Suche scheint das Land Hessen doch noch einen Partner für islamischen Religionsunterricht gefunden zu haben: Die türkische Ditib hat einen Antrag gestellt.

In Hessen gibt es rund 60 000 Schüler islamischen Glaubens. Die Einführung eines solchen Angebots zählt zu den wichtigsten Projekten von Integrationsminister Hahn. Monatelang war die Suche nach Ansprechpartnern aber ergebnislos geblieben. Denn es ist verfassungsrechtliche Voraussetzung für einen solchen Unterricht, dass er von der dafür zuständigen Religionsgemeinschaft organisiert wird. Dafür braucht es einen gewissen Organisationsgrad, den islamische Vereine bislang oft nicht erfüllten. „Wir haben wenig Ermessen als hessische Landesregierung“, machte Hahn deutlich. Ob diese Voraussetzung bei der Ditib vorliegt, wird nun vom zuständigen Kultusministerium überprüft. Dabei wird es auch um die Verfassungstreue der Organisation gehen.

Wie und wo sollen Islamlehrer ausgebildet werden?

Kritisch gesehen wird vor allem die Zusammenarbeit von Ditib und der türkischen Religionsbehörde. „Wir haben organisatorisch überhaupt keine Berührung“, betonte heute jedoch der Ditib-Landesvorsitzende Fuat Kurt. Die Ditib wurde 1984 als Verein gegründet und zählt nach eigenen Angaben in Hessen 12 000 Mitglieder. Man erreiche indirekt jedoch bis zu 100 000 Menschen in Hessen, sagte Fuat. In Hessen bietet die Gruppe der Aleviten bereits einen islamischen Religionsunterricht an, allerdings nur in kleinem Stil. Von deren Antrag bis zur ersten Unterrichtsstunde seien aber acht Jahre vergangen, sagte Hahn. „Das ist mir viel zu lang.“ Die Landesregierung werde sich bemühen, den Antrag der Ditib so schnell wie möglich zu bearbeiten. Hahn rechnet noch mit weiteren Anträgen von anderen islamischen Organisationen. Er hatte zuletzt eine Frist bis Februar gesetzt, ansonsten werde ein Islamkunde-Unterricht eingeführt.

Der Minister sagte, die Landesregierung müsse auch entscheiden, ob nicht neben einem bekenntnisorientierten Islamunterricht trotzdem ein Fach Islamkunde eingeführt werde. Noch nicht endgültig geklärt ist auch die Frage, wie und wo islamische Religionslehrer ausgebildet werden. Die Vorbereitungen dazu laufen aber nach Angaben von Hahn. Die Grünen forderten eine zügige Prüfung des Ditib-Antrags. „Entweder erfüllt die Ditib die Voraussetzungen, dann ist so schnell wie möglich Islamunterricht einzuführen. Andernfalls muss umgehend die Erteilung von Islamkunde in Angriff genommen werden“, verlangte Fraktionschef Tarek Al-Wazir.

dpa

Quelle: op-online.de

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