Die Türme werden grün

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Die Arbeiten an der Außenfassade der Deutsche-Bank-Türme in Frankfurt sind beendet.

Frankfurt ‐ „Stell dir vor, ein Wahrzeichen der Stadt wird renoviert und kaum jemand kriegt das mit!“ So könnte man ausdrücken, was gegenwärtig in den Zwillingstürmen der Deutschen Bank geschieht. Von Veronika Szeherova

Vor ziemlich genau zwei Jahren sind die Banker aus den im Volksmund „Soll“ und „Haben“ genannten Türmen ausgezogen, und erst in ziemlich genau einem Jahr dürfen sie wieder einziehen. Das Doppelhochhaus wird in der Zwischenzeit komplett saniert und dann nicht wieder zu erkennen sein – zumindest von innen. Von außen ändert sich optisch kaum etwas, doch der Schein trügt.

200 Millionen Euro teures Projekt

Denn was sich hier abspielt und am Montag mit dem Richtfest gefeiert wurde, ist eine architektonische und bauliche Ausnahmeleistung. Eigentlich wurden im Jahr 2004 lediglich die Brandschutz-Auflagen für die 1984 fertig gestellten Türme erhöht. Aus einem zunächst vorgesehen Austausch der Feuerschutzklappen entstand ein unvergleichlich größeres, 200 Millionen Euro teures Projekt, dessen Ziel die energetische Komplettsanierung zur Klimaneutralität ist – die Green Towers.

„Nachhaltigkeit“, „Energieeffizienz“ und „Klimaschutz“ sind dabei die meist benutzten Vokabeln. Denn von diesen modernen und zukunftsweisenden Anforderungen waren die 155 Meter hohen Türme vor Beginn der Sanierung weit entfernt. Das ganze Jahr über wurde darin gleichzeitig geheizt und klimatisiert, eine „inakzeptable Verschwendung“, wie Deutsche-Bank-Vorstand Hermann-Josef Lamberti es am Montag treffend formuliert. Nun soll durch eine hochisolierende Dreifachverglasung weniger Hitze ins Gebäude eindringen und gleichzeitig weniger Wärme im Winter entweichen. Außerdem werden Solarpaneele angebracht. So soll insgesamt 55 Prozent weniger Energie verbraucht werden als bisher und ganze 89 Prozent weniger CO2 ausgestoßen werden. Eine Entlastung des Klimas um etwa 5800 Tonnen pro Jahr wäre damit gewährleistet.

Größte Gebäudesanierung Europas

Außerdem wird ein ausgeklügeltes, hausinternes Wasser-Recycling sowie Regenwassernutzung für 74 Prozent weniger Wasserverbrauch sorgen. Diese wassersparenden Techniken senken den jährlichen Frischwasserverbrauch um 26 000 Kubikmeter. Die größte Gebäudesanierung Europas lässt in Frankfurt eines der umweltfreundlichsten Hochhäuser der Welt entstehen.

Nicht nur aus klimatischen Gründen, sondern auch für das Wohlgefühl der Mitarbeiter wird es in Zukunft möglich sein, jedes zweite der 3886 Fenster des Hochhauses zu öffnen. Auch auf weitere Verbesserungen dürfen sich 3000 Banker (früher 2000, nach der Sanierung entstehen hier 1000 neue Arbeitsplätze) nach dem geplanten Wiedereinzug im November 2010 freuen: Niedrige Decken und kleine Büroräume werden der Vergangenheit angehören. Es kommt zudem ein völlig neues Stockwerk hinzu, dass ehemals von Heizungen und Kühl-Aggregaten blockiert war.

Der Mailänder Star-Architekt Mario Bellini, der aus 14 Bewerbern von der Jury ausgesucht wurde, nannte als eins der Hauptprobleme des Gebäudes den Eingangsbereich. Abweisend und kühl habe er gewirkt. „Neue Offenheit und Transparenz zeichnet das Entrée aus, zudem wird die Anbindung an das urbane Umfeld durch einen Skulpturenpark, einen attraktiveren Vorplatz und ein Café verbessert“, so Bellini.

Schnell zu einem Wahrzeichen Frankfurts entwickelt

Die Arbeiten an der 40.000 Quadratmeter großen Fassade sind beendet. „Das Gebäude hat sich in seinem Aussehen sehr schnell zu einem Wahrzeichen Frankfurts entwickelt, daher wollten wir trotz der Runderneuerung sein Äußeres unverändert lassen“, erklärt Lamberti, „damit es mit seiner natürlich blauen Fassade den Himmel widerspiegelt.“ Stockwerk um Stockwerk, von oben nach unten, wurden die Fenster ausgetauscht. Es geschah unauffällig: „Das ist die größte Auszeichnung und das größte Lob für eine Baufirma, wenn das Umfeld kaum etwas von den Arbeiten mitbekommt“, sagte Projektleiter Holger Hagge beim Richtfest. Oft sei er gefragt worden, wann es denn mit den Bauarbeiten an den Türmen losgehe. „Jetzt bin ich umso glücklicher, sagen zu dürfen, dass sie schon fast fertig sind“, schmunzelt Hagge.

Quelle: op-online.de

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