Türsteherin in Frankfurt:

Bei Flip-Flops kennt sie keine Gnade

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Heike Wingenfeld als Türsteherin.

Nicht länger als die Millisekunde ihres kajal unterstrichenen Augenaufschlags braucht Heike Wingenfeld, um sich zu entscheiden. Von Kathrin Rosendorff

Die zwei Mädchen, knapp 17, mit überdramatischem Make-Up, Hot Pants, schwarzen, hüftfreien Lederjäckchen und Buffalo-Stiefelchen stöckeln unsicher den roten Teppich entlang.Sie wollen feiern – und zwar schnieke. Nur wenige Meter trennen sie vom Eintritt zum edlen Frankfurter Club, der Sansibar im Japan Tower. „Tut mir leid. Das wird leider nicht gehen. Ihr seid zu jung“, sagt Heike Wingenfeld, die Türsteherin. „Wie alt muss man denn sein?“, fragen die Girlies. „So ab 30“, antwortet Wingenfeld. „So alt?“ fragen sie und machen etwas irritiert, aber brav in ihren Stiefelchen wieder kehrt. „Das Alter ist mit ein Grund. Es geht um stilvolles Auftreten“, erklärt Wingenfeld, die in Neu-Isenburg lebt. Kein Kleinstadt-Chic, keine Flip-Flops, keine Hawaii-Hemden.

Wingenfeld war die erste Türsteherin in Frankfurt, erzählt sie. Damals, vor knapp zwanzig Jahren, in der legendären Flughafendisko Dorian Gray. Mit 1,85 Meter fällt Heike Wingenfeld sofort auf. Früher hat sie gemodelt. Lässig trägt sie eine Sonnenbrille im Haar. Ihr tief-dekolletiertes Kleid ziert ein schwarz-weißer Tierprint. „Ich muss besser angezogen sein als die, die ich abweise“, betont Wingenfeld. Die 44-Jährige steht an ihrem Pult, vor ihr liegt der rote Teppich. Aus einer Schublade zieht sie in den Pausen immer wieder ihre Zigarillos hervor. Es ist noch nicht viel los, also wippt sie etwas zur Musik.

Heike Wingenfeld als Sekretärin.

Im normalen Leben ist sie Direktionssekretärin bei einer Versicherung. Türsteherin ist sie aus Spaß nebenbei. „Mitleid darf man nicht haben. Das ist ja keine persönliche Entscheidung“, sagt sie. „Ich muss schauen, dass ich die Kriterien, die mein Chef für den Eintritt in den Club stellt, erfülle.“ Bei manchen Gästen habe sie manchmal Mitleid. Bei denen, die wirklich ihr Bestes gegeben haben und es nicht reicht. Kleidungstechnisch.“ Doch sie hält sich an die Vorgaben des Chefs. „Ich halte nichts von Machtgehabe, wie ich das oft bei männlichen Kollegen beobachtet habe.“ Wingenfeld betont, dass Türsteherinnen nur selektieren, niemals handgreiflich werden.

Abgewiesene Männer sind trotzig

Im Notfall ist immer ein männlicher Kollege in ihrer Nähe. Per Funk ist sie mit ihm verbunden. „Wenn ich beschimpft werde, nehme ich das einfach nicht so ernst.“ Nur einmal hätte sie richtig Angst bekommen. „Da hat mich eine Faust knapp verfehlt.“ Frauen reagierten meist sauer und betroffen. „Abgewiesene Männer sagen trotzig, ‚dann geben wir unser Geld halt woanders aus'. Das kriege ich 200-mal am Abend zu hören.“

Die ersten Stammkunden kommen. Sie lächelt und nickt sie durch. Die Männer begrüßen sie mit der Hand um die Hüfte, die Frauen mit Bussi-Bussi. „Hallo Schätzilein“, sagt ein Herr. Das „Antatschen“ mag sie nicht so. Aber sie bleibt höflich und lächelt. Heike Wingenfeld ist auch Chefin über den VIP-Bereich. Dort kommt nur rein, wer viel Geld ausgibt – auch Promis kommen gerne. „Die meisten wollen nicht auffallen.“ Michael Ballack feierte schon hier.

Michael Schumacher verließ sogar den VIP-Bereich und tanzte Sirtaki mit den Gästen. Mit Oliver Pocher saß Wingenfeld an der Bar und fand im Gespräch heraus, dass er bei derselben Versicherung seine Ausbildung gemacht hatte, bei der sie heute arbeitet. Aber wirklich interessant findet sie die Geschichten der Nicht-Prominenz. Die Gäste, die immer wieder kommen und ihr Herz bei ihr ausschütten. Für diese ist sie keine strenge Türsteherin, sondern so etwas wie eine Freundin.

Quelle: op-online.de

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