Fassadenverkleidung der EZB vor Abschluss

Der Turmbau im Frankfurter Ostend

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Die Verkleidung der EZB-Türme mit einer Spiegelfassade ist fast abgeschlossen.

Frankfurt - Die Fertigstellung der Neubauten der Europäischen Zentralbank (EZB) im Frankfurter Ostend geht in die letzte Runde. Die Umhüllung der neuen Türme mit einer Spiegelfassade ist fast abgeschlossen und die Einrichtung der Büroräume auf 45 Etagen hat begonnen. Von Christina Lenz

Wolf Prix, Wiener Architekt des Neubaus, schwärmt, dass es in Frankfurt zwar nicht die höchsten, aber die schönsten Hochhäuser gebe. Ob sich Prixens Bauprojekt in diese Riege der Schönheit einfügt, muss der Betrachter allerdings selbst entscheiden.

Die blau-glänzenden Türme ragen seit März gemäßigte 185 Meter in die Luft und werden im zweiten Halbjahr 2014 einzugsbereit sein - ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant. Inzwischen ist auch ein Mehraufwand an Kosten entstanden. Nach Angaben von Projektleiter Thomas Rinderspacher wird der Bau insgesamt etwa 1,2 Milliarden Euro kosten. 100 bis 150 Millionen Euro an Mehrkosten seien durch unvorhergesehene Schwierigkeiten bei der Renovierung der alten Großmarkthalle angefallen.

Hochkomplexes, innovatives Bauprojekt

Architekt Wolf Prix (l.) begutachtet das Innere des EZB-Neubaus.

Für den Laien sieht die Fassade der neuen EZB wie eine typische Hochhausfassade aus und erinnert an das Spiegelglas an den Außenwänden der Deutschen Bank in der Innenstadt. Die Experten des Fassadenbaus, Architekten, Ingenieure und Energiespezialisten, loben die neue Außenwand als hochkomplexes, innovatives Bauprojekt.

Architekt Prix von der Architektenkooperative Coop Himmelb(l)au erklärt die Entstehung seiner Idee und wie es zu den geschwungenen Außenseiten des Gebäudes kam: „Wir haben einen Hochhausturm entlang einer geschwungenen Linie virtuell durchgeschnitten und dann an den geraden Flächen zueinander gedreht. Damit sind die geschwungenen Schnittstellen als Außenfassaden zu sehen“. Wegen der blickundurchlässigen Fassade erkennt man kaum noch, dass der neue EZB-Turm eigentlich ein Doppelturm ist. „Wegen der vielen schiefen Ebenen, bekommt sogar der Norden des Gebäudes Sonnenlicht“, schwärmt Prix.

6000 Fassadenteile wurden verarbeitet

Die Ummantelung des Gebäudes war kein einfaches Unterfangen, 6000 Fassadenteile wurden verarbeitet. Die Außenseiten des Wolkenkratzers konnten aber trotz der Krümmungen mit geraden Glaselementen verkleidet werden. Nur die Eckelemente, die alle einzeln angefertigt wurden, mussten in einem aufwendigen Verfahren mithilfe eines Krans von außen montiert werden.

Die neue Fassade, so heißt es bei der EZB, sorge nicht nur für ein einheitliches Erscheinungsbild, sondern vor allem auch für gute Luft. Außerdem spare sie viel Energie. Die einzige Lösung für diese Ansprüche war laut Fassadenplaner Michael Lange in einer Doppelfassade zu finden. Die äußere Fassade dient dabei zur Flugsicherung und hält Sonne ab, während die innere den Wärmeschutz garantiere, so Lange. Dazwischen sollen Lamellen den Lichteinfall fein regulieren. Unsichtbare Lüftungsschlitze lassen Frischluft hinein und machen so zeitweise eine künstliche Klimatisierung im Wolkenkratzer überflüssig.

Rundgang durch die EZB-Großbaustelle

Rundgang durch die EZB-Großbaustelle

Einfache Backsteine werden nach wie vor den zweiten Gebäudeteil der EZB, die ehemalige Großmarkthalle, ummanteln. Nur einzelne Gebäudeelemente wurden durch Glas ersetzt. Die Halle wurde 1926 von dem Architekten Martin Elsaesser errichtet und noch bis 2004 wurde hier Obst und Gemüse verkauft. Eine Schwierigkeit für die Planer war, dass das Gebäude seit 1972 unter Denkmalschutz steht und in seinem Kern erhalten bleiben musste. „Statisch hat die Halle aber gar nicht mehr funktioniert“, so Rinderspacher. „Hier hätten wir einen größeren Puffer an Zeit und Geld gebraucht“. Probleme beim Ausgießen des Fundaments der alten Großmarkthalle, die zukünftig vor allem Konferenz- und Presseräume beherbergen soll, hätten die Arbeiten verzögert. Gestalterisch sollte sich das Gebäude, das auch als Eingangshalle und Tor zur Öffentlichkeit dient, an die dahinter liegenden Hochhaustürme anschmiegen. Deswegen wurde eine asymmetrische Eingangspforte an das Gebäude angebaut, die es um einige Meter überragt.

EZB-Gebäude in Frankfurt feiern Richtfest

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Ob der Bau nicht schon bei Einzug zu klein sein könnte ist, wenn die EZB auch die Europäische Bankenaufsicht übernimmt, bleibt eine offene Frage. Spannend dürfte auch die weitere Entwicklung des Stadtteils Ostends sein. „Der EZB-Bau ist bewusst so geplant, dass sich Frankfurt nicht monozentrisch, sondern polyzentrisch, mit mehreren Stadtzentren also, entwickelt“, sagt Wolf Prix. „In diesem Konzept liegt die Zukunft für die Entwicklung moderne Städte“. Ob der Plan aufgeht und das Viertel rund um den Spiegelbau prosperiert und damit auch Auswirkungen bis hin nach Offenbach hat, weiß aber noch niemand gewiss. Auch, dass die „Eastends“ von New York und London bald Frankfurter Konkurrenz bekommen könnten, wird sich erst noch weisen.

Quelle: op-online.de

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