Kommentar: Von Tussis und Assis

Jugendsprache boomt. Und das nicht zu knapp. Wörter oder Sprüche wie „I like“, „Oh my gosh“ und „Absolutes No Go 2010“ haben sich bereits fest in den Alltag von Jugendlichen integriert. Von Khang Nguyen

Doch was für die Generation „Porno“ normal ist, empfinden manche Erwachsene sogar schon als neue Fremdsprache. Welcome to New Slangland!

Mittwoch, 19 Uhr. Samuel und Larissa treffen sich mit ihren Freunden Georg und Anna in einer Bar in Frankfurt. Und damit das bevorstehende Wochenende ein „richtiger Burner“ wird, planen die vier eifrig. Larissa schwärmt von „Wasted Frankfurt Youth“, einer Abiparty. „Die Party wird richtig fett, da müssen wir am Start sein!“ Wer nun mit Zustimmung in Form von ganzen Sätzen rechnet, irrt: Stattdessen erklingt wie im Chor nur ein knappes „I like“.

Die Sprache der Teenager umfasst heute nicht nur einzelne Worte, welche es zu nutzen gilt, wenn man „cool“ sein möchte. Das neue Sprach- und Lebensgefühl hat sich bereits so stark im alltäglichen Sprachgebrauch der unter 21-Jährigen etabliert, dass viele nicht einmal mehr nachdenken, wo der Ursprung jener Worte liegt.

Einfluss von Musik und Medien

So werden Worte und Redewendungen neu formuliert und interpretiert, oder auch mal neu erschaffen. Die Quellen hierfür seien vielfältig, so Peter Schlobinski, Professor für deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Hannover. „Entscheidend sind die jugendlichen Kulturen und Szenen wie Rap oder J-Rock (Japanischer Rock), in denen spezifische Begriffe entstehen und gebraucht werden.“ Auch seien Medien und die damit verbundenen Verbreitungsmöglichkeiten wichtig, denn diese spielen als Multiplikatoren eine große Rolle. Dennoch könne man nicht von einer eigenständigen Sprache der Jugend sprechen.

Eva Neuland, Professorin in Germanistik an der Universität Wuppertal weiß, warum die Jugend ihre ganz eigene Sprache entwickelt: „Jugendliche gebrauchen ihre spezifische Sprache, um sich von anderen Gruppen abgrenzen und sich so identifizieren zu können. Dabei erschaffen sie keine eigenständige Sprache, sondern benutzen hauptsächlich Mechanismen der Wortbildung, die sie in ihrer Jugend kennen gelernt haben“, sagt sie. Zum Beispiel nutzen Jugendliche gerne Begriffe und Wörter, die ihr Gegenüber oder einen Gegenstand bewerten (die gängigsten Wörter hierfür sind „geil“ oder „cool“) oder klassifizieren (Tusnelda wurde zu „Tussi“, Asozialer wurde zu „Assi“ oder „Asso“).

Spiegel der Zeit

Die vielen unterschiedlichen Einflüsse machen es somit unmöglich, von einer einheitlichen Jugendsprache zu sprechen. Die Sprache im Neuköllner Kiez in Berlin mit ihren vielen türkischen Merkmalen unterscheidet sich etwa von einer Jugendsprache, die sich stark an Begriffen aus sozialen Netzwerken wie „Facebook“ oder „Studivz“ orientiert. „Die Jugendsprache ist immer ein Spiegel der Zeit“, sagt Eva Neuland.

„Jede Generation hatte zu ihrer Zeit bestimmte soziale Verhältnisse und historische Bedingungen, die zwangsläufig in der Jugendsprache ihren Platz fanden.“

Letztendlich unterstützen sozialen Plattformen die Verbreitung und Entwicklung der Jugendsprachen sehr stark, da man dort schnell neue Leute kennen lernt, die die Sprache und ihre Begriffe schnell weitertragen. Und wer eifrig im Web 2.0 herumsurft, findet auch stets die neuesten Wörter.

Quelle: op-online.de

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