Probleme bei Tunnelbau ins Europaviertel

U-Bahn kostet 55 Mio. mehr

+

Frankfurt - Es dauert länger und wird eklatant teurer: Die Stadtbahn ins Frankfurter Europaviertel kostet wegen aufwendigerer Tunnelbauarbeiten 55 Millionen Euro mehr und wird wohl erst im Jahre 2020 fertig - wenn die Stadtverordneten überhaupt mitspielen. Von Michael Eschenauer

Bisher lagen die Gesamtkosten des Projekts bei 217 Millionen Euro. Die Stadtverordneten hatten einer Bau- und Finanzierungsvorlage zugestimmt. Jetzt die grausame Überraschung: Bisher sollte der Tunnel vom Hauptbahnhof südlich um das Skyline Plaza herum zum Güterplatz im „Düsenstrahlverfahren“ gegraben werden. Dabei treibt ein Bagger eine Röhre Meter für Meter voran, während der Hohlraum mit Spritzbeton stabilisiert wird. Wie Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) berichtet, hat das beauftragte Ingenieurbüro festgestellt, dass bei dieser Methode Grundwasserströme unterbrochen, ja das Grundwasser selbst in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Außerdem sind komplizierte Sicherheitsmaßnahmen für die Bauarbeiter notwendig. Das Regierungspräsidium in Darmstadt kam zur gleichen Einschätzung.

Damit besteht keine Chance auf eine Baugenehmigung in dieser Form. Als Alternative kommt nur der Einsatz einer großen Tunnelbohrmaschine in Frage. Zweites Problem ist die Station Güterplatz. Auch hier kann ein zunächst vorgesehenes günstigeres Verfahren zum Ausschachten der 28 Meter tiefen Grube aus Gründen der Statik nicht realisiert werden. Beides summiert sich auf Mehrkosten von 55 Millionen Euro.

Majer will nun rechtliche Schritte gegen das Ingenieurbüro, das der Stadt Frankfurt zuvor die Spritzbeton-Methode empfohlen hat, prüfen. Die Gutachter hatten sich auf andere Tunnelprojekte in Frankfurt bezogen, die genauso gebaut wurden. Auf jeden Fall will der Verkehrsdezernent in der Stadtverordnetenversammlung das Projekt erneut zur Abstimmung stellen. Geklärt werden muss auch, ob das Land Hessen und der Bund, die bislang 143 Millionen Euro übernehmen wollten, einen Teil der Zusatzkosten übernehmen.

Quelle: op-online.de

Kommentare