U60311 hat am Roßmarkt keine Zukunft mehr

Frankfurt - Können die Städte die umstrittene Türsteher-Szene in Discos mit einer Art „Sicherheitsgroschen“ in den Griff kriegen? Die entsprechende Forderung eines Sicherheitsverbands wird im Frankfurter Rathaus rundweg abgelehnt.

„Das ist Unsinn“, sagte Ordnungsdezernent Volker Stein (FDP) gestern zu einem Vorschlag des Bundesverbands der Deutschen Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDWS). Er kündigte allerdings auch an, die umstrittene Frankfurter Diskothek „U60311“ nach einer tödlichen Prügelei mit Türstehern schließen zu lassen.

BDWS-Sprecher Oliver Arning ist dagegen überzeugt, dass mit einer zusätzlichen Gebühr die Kontrolle in Diskotheken und Nachtclubs verbessert werden kann. Fälle wie die jüngste tödliche Prügelei zeigten, dass die Kontrolleure zum Beispiel der Gewerbeaufsichtsämter erheblich besser geschult und personell aufgestockt werden müssten, sagte Arning. „Eine Sicherheitsgebühr ähnlich der Gebühr an Flughäfen könnte die Behörden mit den Mitteln versorgen, die sie für eine bessere Ausbildung brauchen“, sagte Arning. Wichtig sei angesichts der zunehmenden Brutalität auch eine deutlich bessere Kommunikation der Club-Betreiber, Ämter, Verbände und Polizei. „Wir brauchen einen Runden Tisch“, sagte Arning.

Mangelnde Qualitätsstandards für Türsteher kritisiert

Er bemängelt die Qualitätsstandards für Türsteher und die fehlende staatliche Kontrolle. Diskothekenbetreiber dürften ihr eigenes Personal beschäftigen, ohne von den Behörden genauer unter die Lupe genommen zu werden. „Die Türsteherszene darf sich weitgehend selbst rekrutieren und organisieren, während in allen anderen konfliktgeneigten Branchen wie bei Kaufhausdetektiven oder U-Bahn-Personal Prüfungen eingefordert werden.“

Frankfurts Stadtrat Stein ist gegen eine Gebühr und hält eine komplette Kontrolle für unmöglich: „Sie können das Netz der Kontrollen noch so dicht ansetzen, die werden immer eine Lücke finden“ sagte Stein. Für Schlagzeilen sorgte zuletzt der Tod eines 31 Jahre alten Disco-Gastes in Frankfurt. Er war in der Nacht zum Ostermontag von Türstehern der Disco „U60311“ zusammengeschlagen worden und später an seinen schweren Verletzungen gestorben.

Nach Angaben von Ordnungsdezernent Stein wird der Vertrag mit den Betreibern der Disco „fristlos oder so schnell wie möglich“ gekündigt. Es könne zwar sein, dass die fristlose Kündigung beim Gericht scheitere, dann werde aber eine ordentliche Kündigung zum Jahresende auf jeden Fall greifen. Betreiber des „U60311“ in einer ehemaligen Fußgängerunterführung ist eine GmbH. Seit 1994 mietet diese Gesellschaft das Gelände von der Stadt. Der Club war 2002 vorübergehend geschlossen worden. Die Polizei hatte größere Mengen Aufputschmittel sichergestellt.

Quelle: op-online.de

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