Der Greis ist sowas von heiß

Udo Lindenberg feiert Panikparty in Frankfurt

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Frankfurt - Der Greis ist heiß! Oder: Warum Merkelland statt German Angst einfach nur mehr Panik braucht. Udo Lindenberg schwebt mit seiner Riesen-Rasselbande in Frankfurt ein und verwandelt die Commerzbank-Arena in ein buntes Toys“R“Us für die ganze Familie. Von Peter H. Müller 

Als „Stadionkonzert“ ist dieses dreistündige „Honky Tonk“-Spektakel nur unzureichend beschrieben: Die „Panikparty“ feiert ein grandios organisiertes, hinreißendes Chaos - mit 80 Menschen auf der Bühne und 40.000 begeisterten Fans im Rund. Selbst ältere Udonauten, die noch jene Zeiten erlebt haben, als Peter Zadek ihm absurde Theater-Shows wie „Dröhnland“ oder „Götterhämmerung“ auf den dürren Leib inszeniert hatte, haut es an diesem denkwürdigen Abend wohl aus dem Sandalen. Die völlig losgelöste Udopie lebt, und mit ihr die wahrscheinlich größte, bekloppteste, großartigste Rockrevue der Welt. Dabei sieht es zunächst noch nach Sturmflut aus. Zumindest auf den XXL-Videowänden. Dort tobt Windstärke 17, und sehr bedrohliche Monsterwellen rasen auf einen Schiffsbug zu - derweil der dürre Mann mit Hut „Odyssee“ anstimmt. Immerhin, es ertrinkt niemand. Schon gar nicht Flugpionier Lindenberg, der zur Anstoßzeit aus der Ostkurve heranschwebt - in einer Vogelkäfig-Kapsel.

Ein Bild mit Seltenheitswert: Der legendäre Altrocker Udo Lindenberg setzt kurz sein Markenzeichen ab...

Mit einer Bilderbuchlandung auf dem opulenten Laufsteg ist der Zirkus dann offiziell eröffnet: „Die Heizer kommen“, „Boogie-Woogie-Mädchen“ und „Mein Ding“, die Sehnsuchtshymne aller Malocher – Frankfurt ist ab sofort die Panik-Hauptstadt der Republik. Sagt Udo. Und ölt die Stimme mit einem Eierlikör. Goethe, Adorno, Fritz Rau, Festhalle, Stadthalle Offenbach, Batschkapp und Äppelwoi nuschelt er im typischen Easy-Deutsch heraus. Aber eigentlich ist das bereits jetzt egal - die sympathisch größenwahnsinnige Hightech-Maschine läuft auf Hochtouren. Und was hat er nicht alles aufgefahren: Tänzer, Gaukler, Akrobaten, Ufos, Aliens, ein Eisbär, die Tigerin von Eschnapur, die Düsseldorfer „Kids on Stage“, Sonderzüge nach Pankow, Laser-/Nebelmaschinen und und und. Nicht zu vergessen: seine Freunde: Das famose Panikorchester ist fast vollzählig, Altmeister Eric Burdon hat sich für einen Duett-Song („Wanna get out of this place“) zum Tross gesellt, genau wie Clueso („Cello“), Adel Tawill („Bunte Republik“), Musical-Schönheit Josephine Busch („Mädchen aus Ost-Berlin“, „Hinterm Horizont“) und Helge Schneider, der zu „Der Greis ist heiß“ das Saxofon bläst.

Udo Lindenberg: Bilder zum Konzert in Frankfurt

Was er auch will, vor allem als rechtschaffener 69-jähriger Planetenbürger: Haltung zeigen! Und in dem ganzen quietschbunten Durcheinander ein paar kantige Appelle loswerden - gegen Gewalt („Wozu sind Kriege da?“) und Rassismus, für eine Willkommenskultur, der er den Song „Wir werden jetzt Freunde“ auf die Fahne geschrieben hat. Das Finale wird dann sehr lang. Und natürlich spektakulär. Eine Rakete zündet schließlich via LED-Screen: Udo hat sich in einen Astronautenanzug gezwängt, die Zigarre fest im Griff - und entschwindet in den Frankfurter Himmel.

Quelle: op-online.de

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